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Eloquenz liebt große Gesellschaften

Bei Primaten haben sich Sprache und komplexe Gesellschaftsstrukturen parallel zueinander entwickelt. Das schließen britische Forscher aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie Lautäußerungen und Gruppenaufbau bei 42 Affenarten verglichen. Je größer dabei die Gruppen und je intensiver die sozialen Beziehungen waren, desto größer war auch das Repertoire an Lauten, das die Tiere verwenden. Ob die komplexere Sprache jedoch die Ursache oder die Folge einer immer komplizierter werdenden Gesellschaftsstruktur ist, können die Forscher nicht sagen.

Die beiden Wissenschaftler Karen McComb und Stuart Semple durchsuchten für ihre Studie die Fachliteratur über verschiedene Primatenarten nach Informationen über das Lautrepertoire, die Gruppengröße und die Zeit, die mit der gegenseitigen Fellpflege verbracht wird. Dieser Aufwand diente den Forschern dabei als Maß für die Intensität der sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppe. Ausgewertet wurden schließlich Berichte über insgesamt 42 verschiedene Arten, darunter Brüllaffen, Makis, Weißbüscheläffchen, Meerkatzen, Löwenkopfäffchen, Mandrills, Lemuren, Krallenäffchen und die Menschenaffen ? Orang Utans, Gorillas und Schimpansen.

Sowohl Gruppengrößen als auch das Repertoire an Lauten unterschieden sich zwischen den einzelnen Arten extrem, entdeckten die Forscher. Sie fanden jedoch einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Anzahl bekannter Lautäußerungen und der Gruppenstruktur: In großen Gruppen verwenden die Primaten durchschnittlich deutlich mehr verschiedene Laute als in kleinen Gruppen. So kennen Bärenmakis, die entweder als Einzelgänger oder als Paar leben, beispielsweise nur zwei verschiedene Lautäußerungen. Bonobos dagegen bilden Gruppen von mehr als 120 Tieren und verwenden 38 unterschiedliche Laute zur Kommunikation. Auch die Zeit, die die Affen mit Lausen verbrachten, war bei Arten mit komplexerer Sprache höher.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Kommunikation mit Lauten zweifellos eine Schlüsselrolle in der Evolution des Sozialverhaltens spielt, schreiben die Wissenschaftler. Ob jedoch ein besseres Kommunikationssystem die Bildung größerer, komplexerer Gruppen erleichtert oder ob vielmehr eine komplizierte Gesellschaftsstruktur eine bessere Kommunikationsform nötig macht, bleibt bislang offen. Die Wissenschaftler hoffen, auf Basis ihrer Ergebnisse auch die einzigartige Evolution der menschlichen Sprache besser verstehen zu lernen.

Karen McComb (Universität von Sussex, Brighton), Stuart Semple (Roehampton-Universität, London): Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2005.0366)

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