Empfehlenswert: Morgensonne - wissenschaft.de
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Empfehlenswert: Morgensonne

Wer auf gebräunte Haut steht, sollte seine Sonnenbäder und Solariumsbesuche möglichst in die Morgenstunden legen. Zu dieser Tageszeit scheint nämlich die Gefahr, Hautkrebs zu bekommen, geringer zu sein als beispielsweise am späten Nachmittag. Das legen zumindest die Ergebnisse einer Studie US-amerikanischer Forscher mit Mäusen nahe. Zwar sind Menschen keine Mäuse, der grundlegende Mechanismus, der hinter dem Effekt steckt, existiert jedoch bei beiden Spezies: Das hauteigene Reparatursystem, das Schäden am Erbgut durch UV-Strahlen beseitigt und damit der Krebsentstehung entgegenwirkt, arbeitet je nach Tageszeit unterschiedlich gut. Bei den nachtaktiven Nagern ist es gegen vier Uhr nachmittags am effektivsten, beim Menschen dagegen um sieben Uhr morgens.

Die Schlüsselrolle in der Reparaturtruppe spielt ein Protein namens XPA ? eine Kurzform für die doch sehr unhandliche Bezeichnung „Xeroderma Pigmentosum Group A Protein“. Bereits frühere Studien hatten gezeigt, dass vor allem die Innere Uhr bestimmt, wie viel davon beispielsweise in der Leber oder im Gehirn produziert wird. Unklar sei dagegen bisher gewesen, ob auch die XPA-Menge und -Aktivität in der Haut im Lauf des Tages zu- und abnimmt, schreiben die Forscher um den Molekularbiologen Shobhan Gaddameedhi, der an der University of North Carolina arbeitet. Sie untersuchten daher alle drei Stunden Hautproben von Mäusen ? und fanden tatsächlich eine deutliche Veränderung der Aktivität: Morgens um vier produzierten die Hautzellen am wenigsten XPA und nachmittags um vier am meisten.

Im nächsten Schritt testete das Team, ob diese Schwankungen einen Einfluss auf das Auftreten von hellem Hautkrebs bei den Tieren hatten. Dazu bestrahlten sie eine Gruppe von Mäusen dreimal die Woche jeweils um vier Uhr morgens mit UV-Strahlung und eine zweite nachmittags um vier. Auch hier gab es ein eindeutiges Ergebnis: Die Morgengruppe entwickelte nicht nur zwei Wochen früher Hautkrebs ? vor allem Plattenepithelkarzinome ?, sondern auch sehr viel mehr Tumoren. Bis zu einem Faktor fünf sei das Risiko im Vergleich zur Nachmittagsgruppe erhöht gewesen, schreiben die Forscher.

Natürlich brauche es noch weitere Tests und Kontrollen, um dieses Ergebnis zu sichern ? schließlich handele es sich bei der Krebsentstehung um ein sehr komplexes Geschehen, an dem diverse andere Faktoren beteiligt seien. Dennoch glauben die Wissenschaftler, in XPA und dessen unterschiedlicher Aktivität im Tagesverlauf einen entscheidenden Akteur ausgemacht zu haben. Das Spannende daran: Auch beim Menschen ist zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich viel XPA in der Haut nachweisbar. Es sei in diesem Fall also durchaus legitim, anzunehmen, dass es einen ähnlichen Effekt wie bei den Mäusen auch beim Menschen gebe, so die Forscher. Die grundlegende Funktion der Inneren Uhr ist nämlich bei Mensch und Maus durchaus vergleichbar: Bei beiden folgt sie in etwa einem 24-Stunden-Takt, auch wenn die beiden Uhren aufgrund der unterschiedlichen Lebensweisen um etwa 12 Stunden gegeneinander verschoben sind. Während die XPA-Produktion bei der Maus dementsprechend am Nachmittag einen Höhepunkt erreicht, ist sie beim Menschen in den frühen Morgenstunden am höchsten.

Allerdings gibt es beim Menschen eine Besonderheit: Auch wenn im Schnitt um sieben Uhr morgens am meisten XPA in der Haut produziert wird, können die individuellen Werte abhängig von der persönlichen Veranlagung stark davon abweichen. Bei „Lerchen“, also Menschen, die bereits früh morgens fit und leistungsfähig sind, könnte der optimale Zeitpunkt für ein Sonnenbad schon vor sieben Uhr liegen. Bei den eher langsam in die Gänge kommenden „Eulen“ ist er möglicherweise deutlich später. Sollte sich diese Annahme bestätigen, müsste jeder zuerst seinen Chronotyp bestimmen lassen, um zu wissen, wann er in die Sonne darf. Zum Glück ist das zwar teuer und etwas aufwendig, aber nicht sehr schmerzhaft: Forscher brauchen lediglich etwa zehn Kopfhaare inklusive der Follikel, um den persönlichen Typ bestimmen zu können.

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Shobhan Gaddameedhi (University of North Carolina, Chapel Hill) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.1115249108 wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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