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Ende mit Schrecken

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Strenge hygienische Maßnahmen haben die Ebola- Epidemie in Westafrika besiegt. Hier wird in einem Dorf von Sierra Leone ein Ebola-Toter weggetragen. (Foto: mauritius images/T.E. Trenchard/Alamy)
Nach der Ebola-Epidemie ist in Westafrika wieder der Alltag eingekehrt. Doch die Spätfolgen sind allgegenwärtig.

Mehr als 11 300 Menschen starben in Sierra Leone, Guinea und Liberia durch die Ebola-Epidemie, die seit Ende 2013 dort wütete. Noch vor einem Jahr war unklar, ob sich die Seuche in Westafrika zu einer Art Pest entwickeln und globale Folgen haben würde („Ebola – die neue Pest“, bdw 12/2014). Es waren vor allem zwei Faktoren, die dafür sorgten, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholte: „das Wissen um die Wirkungsweise der Krankheit und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten“, sagt der Professor für Volkswirtschaft Robert Kappel vom GIGA- Institut in Berlin, das regionale Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost im globalen Kontext untersucht.

„Trotzdem wurde viel zu langsam reagiert und zum Teil auch unangemessen“, meint der Afrika-Experte. Wenig Sinn habe etwa das von den Deutschen errichtete Krankenhaus in Monrovia, da es unweit von zwei anderen Krankenhäusern steht. Als ausgesprochen effektiv haben sich dagegen kleine, lokale Gesundheitsstationen erwiesen, die abseits der Ballungszentren liegen und von Einheimischen betrieben werden, denen die Menschen vertrauen. Zugelassene Impfstoffe und zuverlässige Medikamente gegen Ebola gibt es nach wie vor nicht. Noch immer sind Aufklärung und Hygiene die beste Hilfe.

Die Regierungen der betroffenen Länder haben versprochen, die medizinische Versorgung auf dem Land auszubauen. Doch das kann „fünf bis sechs Jahre dauern“, mutmaßt Kappel. Die Ebola-Katastrophe hat die Misswirtschaft in Westafrika offengelegt: marodes Gesundheitswesen, fehlende Infrastrukturen, grassierende Korruption. Kappel: „Etwa die Hälfte der Hilfsgelder – allein zwei Milliarden Euro aus Europa – soll versickert sein. Medikamente sind nicht angekommen, Kontrollen wurden versäumt.“

Mittlerweile ist in Westafrika der Alltag zurückgekehrt. Auf den lokalen Märkten wird wieder gehandelt – doch die Lebensmittel sind überteuert, da die Ernte im Herbst ausgefallen ist und die Landwirtschaft nur mühsam in Gang kommt. Die großen Wirtschaftszweige erholen sich noch langsamer: Die Produktion von Eisenerz in Liberia ist durch den Abzug vieler Ingenieure und den internationalen Preisverfall praktisch zum Erliegen gekommen. „Mittlerweile haben die Chinesen etliche Förderstätten übernommen“, sagt Robert Kappel. In den Kautschukplantagen des Landes rächt sich die in den letzten zwei Jahren unregelmäßige Pflege der Bäume – sie können erst nach und nach wieder wirtschaftlich genutzt werden.

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Die Spätfolgen von Ebola sind allgegenwärtig: Kanadische Wissenschaftler der Universität Toronto haben bei Überlebenden der Seuche heftige Gelenkschmerzen sowie gravierende Seh- und Hörprobleme festgestellt. Gefährlich ist, dass Männer und Frauen, die sich infiziert hatten, das Virus noch immer in sich tragen können: Bis zu einem Jahr, vermuten Mediziner, kann es in den Hoden überdauern und beim Sex weitergegeben werden. Bei Frauen kann es sich in der Placenta verbergen und den Fötus infizieren.

Sierra Leone, Guinea und Liberia wurden für „Ebola-frei“ erklärt, doch es kommt immer wieder vereinzelt zu Neuerkrankungen. Gebannt ist die Gefahr nicht: Die Infektion könnte sich erneut ausbreiten. Auch die Pest wütete im mittelalterlichen Europa jahrhundertelang in mehreren Wellen. Neue Untersuchungen des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München haben ergeben, dass der Pest-Erreger Yersinia pestis dabei nicht stets aufs Neue aus Zentralasien eingeschleppt worden war, sondern in Europa geschlummert hatte.

© wissenschaft.de – Bettina Gartner
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