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Erbgut prähistorischer Braunbären analysiert

Britische Forscher fanden prähistorische DNA aus rund 60.000 Jahre alten Knochen subarktischer Braunbären. Ein reges Wanderungsverhalten verschiedener Bärenarten zwischen Sibirien und Nordamerika konnten die Forscher damit eindeutig belegen. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift Science (Vol. 295, S. 2267 ff).

Konserviert in der Kälte des subarktischen Permafrostbodens erhielten sich die DNA-Informationen aus den Knochen von 36 Braunbären. Nach einer Datierung über die Radiokarbon-Methode sequenzierten die Forscher der University of Oxford kurze DNA-Abschnitte des mitochondrialen Genoms. Daraus erkannten sie, dass sich die Verbreitung der damaligen Braunbärarten wesentlich von der heutigen unterscheidet. Etwa vor 35.000 Jahren starben diese Bären in Alaska und in der Yukon-Region aus. Erst vor 14.000 Jahren erschienen sie wieder auf der Bildfläche. Vermutlich wanderten sie über die damals noch vorhandenen Landverbindung in der Bering-See aus Sibirien ein.

Auf der anderen Seite der Erdkugel widmeten sich fast zeitgleich neuseeländische Biologen von der Massey University in Palmerston North den Resten von 6.000 Jahre alten Pinguinen. Auch sie fokussierten ihre Analysen auf die mitochondriale DNA in den Vogelknochen. Erstmals konnte so die Mutationsrate über viele Jahrtausende hinweg ermittelt werden.
Überraschend kamen sie zu dem Schluss, dass die evolutionäre Entwicklung der Pinguine vor 6.000 Jahren nicht abgeschlossen, sondern im Gegenteil mindestens doppelt so schnell weiterlief als bisher vermutet.

„Beide Studien setzen einen Neustart in der Analyse historischen Erbguts“, beurteilt Biologe Robert Wayne von der University of California in Los Angelas die Ergebnisse. Denn nach den Sensationsmeldungen vom Erbgut in Saurier-Fossilien oder Bernstein-Insekten wurde dieser Wissenschaft ein sehr zweifelhafter Ruf nachgesagt. Die sehr viel jüngeren, dafür aber gehaltvolleren Funde könnten diesem Zweig der Biologie nun rehabilitieren und wertvolle Erkenntnisse über die Evolution der Arten liefern.

Jan Oliver Löfken
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