Erdhörnchen erkennen Verwandte am Geruch - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Erdhörnchen erkennen Verwandte am Geruch

Erdhörnchen erkennen enge Verwandte in Sekunden und mit großer Sicherheit am Geruch. Nur gegenüber den Artgenossen, die den Riechtest bestanden haben, verhalten sich die Nager kooperativ, wie das Fachblatt Proceedings of the Royal Society berichtet. Möglicherweise trägt die feine Nase der Tiere auch dazu bei, die Partnerwahl zu beeinflussen und Inzucht zu verhindern. Bei anderen Säugetieren, einschließlich des Menschen, gibt es Hinweise auf eine vergleichbare Funktion des individuellen Körpergeruchs.

Es ist so, als könnten die Erdhörnchen genetische Fingerabdrücke lesen und mit ihren Nasen Verwandtschaftsbeziehungen erkennen, sagt Jill Mateo von der Cornell University in Ithaca. In Feldstudien hatte sie das Sozialverhalten von Erdhörnchen (Spermophilus beldingi) in den kalifornischen Bergen untersucht. Dabei stellte sie fest, dass sich die Tiere nur gegenüber ihren Müttern, Schwestern und Töchtern kooperativ verhielten. Da männliche Erdhörnchen das Territorium ihrer Gruppe schon früh verlassen, besteht eine Kolonie überwiegend aus weiblichen Tieren.

Um Fressfeinden zu entgehen und ihren Lebensraum zu verteidigen, sind die Nager auf kooperatives Verhalten angewiesen. Ein Einzeltier, das mit einem Alarmruf andere vor einem Kojoten warnt, nützt der Gruppe, gefährdet sich dabei aber selbst. Beobachtungen haben ergeben, dass ein solcher Alarm eher ausgestoßen wird, wenn er engen Verwandten, also Trägern des eigenen Erbguts, nützt.

Um zu klären, woran die Tiere ihre Verwandten erkennen, sammelte Mateo Proben aus ihren Duftdrüsen. Diese platzierte sie an verschiedenen Höhleneingängen und beobachtete die Reaktion der Erdhörnchen. Beim Geruch eines eng verwandten Tieres beschränkten sie sich auf ein kurzes Schnuppern. Je geringer die Verwandtschaft zum Duftspender, desto länger dauerte der Riechtest. „Die Empfindlichkeit ihres Geruchsapparats ist erstaunlich“, sagt Mateo.

Die große Präzision, mit der die Nager eine verwandtschaftliche Beziehung erkennen, lässt eine weitere Bedeutung dieser Fähigkeit vermuten, so die Wissenschaftlerin. Der Geruchstests könnte nämlich auch dazu dienen, eine Paarung zwischen eng verwandten Tieren und die negativen Folgen von Inzucht zu verhindern. Der Nachweis dafür steht allerdings noch aus.

Anzeige

Joachim Czichos
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Rou|la|de  〈[ru–] f. 19〉 1 Fleischrolle, dünne Fleischscheibe, die mit Speck u. Zwiebeln gefüllt, zusammengerollt u. geschmort wird 2 〈Mus.〉 perlender Lauf, bes. in der Gesangskunst ... mehr

Gneis  〈m. 1; Min.〉 Gestein aus Feldspat, Quarz u. Glimmer, zur Gruppe der kristallinen Schiefer gehörig [<ahd. gneisto, ganeheista; ... mehr

♦ Pe|trar|kis|mus  〈m.; –; unz.; Lit.〉 lyr. Stil der Renaissance u. des Humanismus in der Art der Gedichte Petrarcas, gekennzeichnet durch Form– u. Klangschönheit, Bilderreichtum, Leidenschaftlichkeit

♦ Die Buchstabenfolge pe|tr… kann in Fremdwörtern auch pet|r… getrennt werden.
» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige