Erstaunlich kooperative Schimpansen - wissenschaft.de
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Erstaunlich kooperative Schimpansen

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Kooperationsbereitschaft ist hier gefragt. Credit: Image courtesy of Frans de Waal, Yerkes National Primate Research Center.
Wir lösen Probleme gemeinsam – diese Fähigkeit gehört zum Fundament des Erfolgs der Spezies Mensch. Unsere nächsten Verwandten im Tierreich neigen im Vergleich dazu noch deutlich eher zum Konkurrenzkampf, hieß es bisher. Doch nun zeigt eine experimentelle Studie: Kooperative Verhaltensweisen setzen sich auch bei Schimpansen klar durch und zwar in einer erstaunlich menschlich wirkenden Weise.

Sie benutzen und fertigen Werkzeuge, sie planen und lügen sogar… In den letzten Jahren haben Studien zunehmend verdeutlicht, dass Schimpansen die Grundzüge vieler Fähigkeiten und Verhaltensweisen des Menschen zeigen. Das gilt auch für ihr Sozialverhalten: Es ist bereits bekannt, dass sie in komplexer Weise kooperieren können, um Probleme zu lösen. Doch welches Ausmaß erreicht diese Fähigkeit tatsächlich? Dieser Frage sind nun Wissenschaftler um den bekannten Affen-Verhaltensforscher Frans de Waal von der Emory University in Atlanta nachgegangen.

Schimpansen im Kooperations-Test

Bei ihren Versuchstieren handelte es sich um eine Gruppe von elf Schimpansen, die im
Yerkes National Primate Research Center in der Nähe von Atlanta seit vielen Jahren gemeinsam leben. Die Wissenschaftler konfrontierten diese Tiere mit einem System, bei dem Kooperation nötig war, um erfolgreich zu sein: Ein Tier musste eine Barriere beseitigen, damit ein weiteres ein Fach mit Leckerbissen herbeiziehen konnte. In einer schwierigeren Variante mussten sogar drei Tiere gemeinsam handeln, um die Belohnung zu erreichen. Dadurch dass alle elf Schimpansen gleichzeitig Zugang zu der Apparatur hatten, gab es allerdings die Möglichkeit, in unkooperativer Weise von der Arbeit der anderen zu profitieren: durch Diebstahl.

Eine Gruppe von Menschen würde in diesem Fall mit Maßnahmen reagieren, welche die Zusammenarbeit zum Wohl aller fördern: Sie würden unkooperatives Verhalten bestimmter Gruppenmitglieder beispielsweise durch Bestrafung oder Ausgrenzung sanktionieren. Die Frage der Forscher war nun: Reagiert auch die Schimpansengruppe in ähnlicher Weise? Offenbar ja: Wie umfangreiche Auswertungen von Videoaufnahmen des Verhaltens der Schimpansen im Zusammenhang mit der Herausforderung zeigten, setzte sich nach einer anfänglichen Ordnungsphase ein Verhaltenssystem durch, das die Kooperation gezielt förderte. Am Ende verhielten sich die Tiere fünf Mal häufiger kooperativ als unkooperativ. Das entspricht einem ähnlichen Niveau, wie es sich auch beim Menschen entwickeln würde, sagen die Forscher.

Verhalten, das uns vertraut erscheint

Eine Reihe von Verhaltensweisen der Schimpansen haben den Beobachtungen zufolge zu diesem Ergebnis geführt: Die Tiere reagierten demnach mit Protestverhalten gegen „Schmarotzer“ und weigerten sich demonstrativ in der Gegenwart jener Gruppenmitglieder kooperativ zu „arbeiten“, die zum Klauen neigten. Das Meiden von Gruppenmitgliedern scheint demnach ein wichtiger Hebel zu sein, um unkooperatives Verhalten einzuschränken, sagen die Forscher. Interessant war außerdem eine weitere Beobachtung: In einigen Fällen griffen ranghohe Tiere ein, um Nutznießer zu bestrafen, berichten die Verhaltensforscher.

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„Es zeigt sich, dass Schimpansen ausgesprochen gut darin sind, Konkurrenzkampf einzuschränken und Kooperation zu fördern“, resümiert die Erstautorin der Studie Malini Suchak. Unsere Ergebnisse zeigen damit klare Ähnlichkeiten zu unseren Verhaltensweisen auf und geben damit Einblicke in die Evolution des Menschen“, so die Verhaltensforscherin. Frans de Waal ergänzt: „Unsere nächsten Verwandten wissen offenbar auch genau, wie man Nutznießer bekämpft. Es lebe die Kooperation!“

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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