Erstaunlich: Schillernde Tarnung - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Erstaunlich: Schillernde Tarnung

Für ihre Versuche haben sich Forscher einen besonders schillernden Vertreter aus der Familie der Prachtkäfer ausgesucht.. (Bild: Bristol Museums, Galleries & Archives)

Sie scheinen geradezu auffallen zu wollen: Manche Insekten- und Vogelarten funkeln wie bunte Juwelen. Dies kann nur der Partnersuche oder der Abschreckung von Feinden dienen, könnte man meinen. Doch wie nun aus einer experimentellen Studie hervorgeht, kann das schillernde Aussehen auch tarnen: Vor dem Hintergrund schimmernder Blätter entgehen funkelnde Prachtkäfer den Blicken hungriger Räuber sowie den suchenden Augen von menschlichen Probanden. Möglicherweise nutzen auch viele andere scheinbar auffällige Tiere diesen Effekt, sagen die Wissenschaftler.

Schimmernde Insektenflügel, buntes Gefieder oder markante Zebrastreifen: Schon lange beschäftigen sich Biologen mit der Frage, warum manche Tiere so erstaunlich wirkende Farben und Muster besitzen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Einige Tiere – wie etwa der grüne Frosch im Laub – tarnen sich durch ihre Farben und Muster, um mit dem Hintergrund zu verschwimmen. Manche Arten machen sich hingegen extra auffällig, um Feinde zu erschrecken oder zu verkünden: Friss mich nicht – ich bin giftig! Daneben gibt es auch Farben, Zeichnungen und Strukturen, die der innerartlichen Kommunikation oder der Partnerwahl dienen, wie etwa das beeindruckende Gefieder des Pfaus.

Wozu das funkelnde Gewandt?

Doch in einigen Fällen erscheint die Funktion unklar. Dies gilt vor allem für die teils spektakulären Strukturfarben mancher Käfer und Vögel. Sie beruhen nicht auf Pigmenten, sondern auf Effekten der Lichtbeugung, die durch spezielle Strukturen in Panzer oder Gefieder hervorgerufen werden. Dadurch entstehen metallisch wirkende Farbreflexe, die sich je nach Blickwinkel ändern. Vor allem bei manchen Insektenarten scheint dieses irisierende Äußere allerdings weder der Partnersuche noch der Warnung von Fressfeinden zu dienen: Sogar nicht geschlechtsreife Larven schillern und sie besitzen zudem keine Abwehrgifte.

Die Forscher um Karin Kjernsmo von der University of Bristo sind deshalb nun der Frage nachgegangen, ob die auffallenden Erscheinungen womöglich doch einen Tarneffekt vermitteln. Für ihre Versuche haben sie sich einen besonders schillernden Vertreter aus der Familie der Prachtkäfer ausgesucht: Wegen ihrer grünlich funkelnden Flügeldecken werden die sogenannten Juwelen-Käfer (Sternocera aequisignata) sogar zu Schmuck verarbeitet. Für ihre Studie haben die Wissenschaftler diesen Käfern verschiedene Kostüme verpasst: Sie erstellten verschiedenfarbige Versionen der Panzer und verwendeten diese neben dem Original bei Feldversuchen.

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Im ersten Experiment setzten die Forscher ihre Modelle als Köder für Vögel ein. Sie platzierten sie dazu im buschigen Unterholz eines Waldes und erfassten, wie oft die Käfer-Attrappen von den Räubern attackiert wurden. Es zeigte sich: Die Originalversion des Juwelen-Käfers zog im Vergleich zu den schlicht gefärbten Modellen die wenigsten Vögel an. Allerdings ließ dieses Ergebnis noch immer zwei Erklärungen zu: Entweder die Käfer wurden tatsächlich am ehesten übersehen oder aber ihr Erscheinungsbild schreckte die Vögel ab.

Auffällig unauffällig

Um weitere Hinweise zu sammeln, wurden nun Probanden gebeten, gezielt nach den im Gebüsch platzierten Käfer-Attrappen mit den unterschiedlichen Erscheinungsbildern zu suchen. Diese „Ostereiersuche“ der besonderen Art bestätigte den Tarneffekt des Originals: Die Versuchsteilnehmer konnten die natürlich gefärbten Juwelen-Käfer am schlechtesten ausfindig machen, ergaben die Versuchsauswertungen.

Wie die Forscher erklären, zeichnete sich im Rahmen ihrer Untersuchungen auch ab, was hinter dem Effekt steckt: Separat betrachtet, erscheint der grünlich funkelnde Panzer der Käfer zwar auffallend, doch vor dem Hintergrund ihres Lebensraums ist dies nicht der Fall. Viele Blätter besitzen eine leicht lichtreflektierende Oberfläche, durch die ebenfalls ein grünlich schimmernder Effekt entsteht. Dadurch kann das Auge die Form der Käfer nur schwer erfassen – es entsteht ein visuelles Rauschen, erklären die Wissenschaftler.

„Wir gehen davon aus, dass der Effekt nicht nur eine Besonderheit bei den Juwelen-Käfern darstellt“, sagt Kjernsmo. „Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass auch bei vielen anderen Arten das schillernde Aussehen einen Tarneffekt vermittelt“, resümiert die Wissenschaftlerin. Sie und ihre Kollegen wollen den interessanten Strategien nun auch weiterhin nachgehen: Sie planen, künstliche Intelligenz einzusetzen, um die Tarnverfahren besser zu verstehen. Computer sollen dabei theoretisch optimale Erscheinungsbilder für verschiedene Umgebungen entwickeln, um sie mit echten Tierfarben vergleichen zu können.

Quelle: University of Bristol, Fachartikel: Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2019.12.013

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In der Süddeutschen Zeitung ist heute ein Rückblick auf die Debatte um die Einführung des Rauchverbots in öffentlichen Räumen einschließlich der Gastronomie in Bayern in den Jahren 2008 bis 2010. „Der Dampf hat sich verzogen“, ist der Beitrag von Katja Auer und Dietrich Mittler in der Printausgabe betitelt. Der damals heftige Streit ist aus heutiger Sicht kaum mehr nachvollziehbar. Vor 10 Jahren hatte Sebastian Frankenberger, wer kennt den Namen eigentlich noch, mit einem Volksbegehren einen verschärften Nichtraucherschutz herbeigeführt. Er musste danach angesichts der Hetze gegen seine Person nach Österreich auswandern. Einer von Frankenbergers aktivsten früheren Gegenspielern, Franz Bergmüller, ist heute bei der AfD, also in gewisser Hinsicht auch ausgewandert, nämlich aus der bürgerlichen Mitte. Ob Bergmüller mehr Verständnis für Frankenberger gehabt hätte, wenn der sich auf den AfD-Spruch „das wird man doch noch sagen dürfen“ berufen hätte?

Schnee von gestern. In dem SZ-Artikel wird darauf hingewiesen, dass Bayern 2017 die niedrigste Raucherquote in Deutschland aufwies. Was das Rauchverbot damit zu tun hat, ist allerdings schwer zu beurteilen. Die Effekte solch komplexer Interventionen zu evaluieren, ist eine Kunst für sich und oft kommen dabei nicht viel mehr als plausible Vermutungen heraus.

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Dass das Rauchverbot den seit Jahren anhaltenden Rückgang der Raucherquote zumindest mitgestützt hat, neben vielen anderen Einflussfaktoren, ist so eine plausible Vermutung. Allerdings hatte Bayern im Ländervergleich schon lange eine unterdurchschnittliche Raucherquote und damit zusammenhängend auch weniger Lungenkrebstote. Erwartungsgemäß ist bei der Lungenkrebssterblichkeit bei den Männern der Abstand zum Bundesdurchschnitt größer als bei den Frauen: Männer rauchen noch immer häufiger und mehr und Rauchen ist die mit Abstand wichtigste Ursache des Lungenkrebses. Sie spielt daher im Gesamt der Lungenkrebsursachen bei den Männern auch eine größere Rolle. Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht einer neueren Berechnung zufolge davon aus, dass etwa 90 % der Lungenkrebsfälle bei Männern durch das Rauchen bedingt sind, bei den Frauen „nur“ 80 %.

Interessant ist der zeitliche Verlauf der Lungenkrebssterblichkeit, das kam hier auf Gesundheits-Check schon wiederholt zur Sprache. Bei den Männern geht die Lungenkrebssterblichkeit seit Jahren zurück, bei den Frauen steigt sie dagegen noch immer an.

Betrachtet man die absoluten Fallzahlen, so haben die Lungenkrebstoten in Bayern in den letzten 20 Jahren um gut 1.000 Fälle pro Jahr zugenommen, von 4.140 im Jahr 1998 auf 5.332 im Jahr 2017. Dieser Anstieg geht nahezu vollständig auf die Zunahme der Fälle bei den Frauen zurück, von 1.011 auf 2.001, während bei den Männern nur noch eine leichte Zunahme von 3.129 auf 3.331 Fälle zu beobachten ist – bedingt durch die älteren Jahrgänge, die noch häufiger geraucht hatten und jetzt im Alter gehäuft an Lungenkrebs erkranken. Altersbereinigt sinkt die Lungenkrebskrebssterblichkeit der Männer, wie die Grafik zeigt. In Deutschland insgesamt sieht es nicht anders aus. Hier ist die Zahl der Lungenkrebstoten von 37.971 im Jahr 1998 auf 45.072 Fällen im Jahr 2017 angestiegen, wiederum fast vollständig bedingt durch den Anstieg der Fälle bei den Frauen von 9.296 auf 16.381. Bei den Männern stieg die Zahl nur noch geringfügig von 28.675 auf 28.691.

Insgesamt, wiederum nach Zahlen des Deutschen Krebsforschungszentrums, sind ca. 20 % aller Krebserkrankungen auf das Rauchen zurückzuführen und alle Krankheiten zusammengenommen, sterben ca. 120.000 Menschen jährlich vorzeitig infolge des Rauchens. Trotzdem gibt es in Deutschland bis heute kein vollständiges Werbeverbot für Tabakprodukte. Die GroKo plant immerhin, jetzt mit einem Werbeverbot ernst zu machen, vielleicht kriegt sie es ja sogar hin. Es wird Zeit, dass sich der Dampf endlich verzieht.

http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/12/07/rauchen-in-bayern-und-deutschland/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=rauchen-in-bayern-und-deutschland

gno|misch  〈Adj.; Lit.〉 in Gnomen geschrieben, in der Art einer Gnome ● ~er Dichter Spruchdichter ... mehr

ho|möo|tisch  〈Adj.; Genetik〉 gleichartig, ähnlich ● ~es Gen übergeordnetes Gen, das die Differenzierung von Zellen u. Geweben während der (embryonalen) Entwicklung steuert, indem Gengruppen aktiviert od. gehemmt werden; ... mehr

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