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Erstaunliche Artenvielfalt in Stadtgärten

Stadtgarten
Gärten in der Stadt berherbergen eine erstaunliche Artenvielfalt (Bild: espiegle/ iStock)

Mit Gärten schaffen sich viele Menschen eine grüne Oase im Betondschungel der Großstadt. Doch die städtischen Gärten können auch für die Artenvielfalt zu wahren Refugien werden, wie nun eine Studie enthüllt. Bei Bestandsaufnahmen in Gärten der Stadt Basel fanden Wissenschaftler eine erstaunlich hohe Biodiversität. Gerade kleine Bodenbewohner wie Käfer, Spinnen, Schnecken und Tausendfüßler profitieren demnach von Stadtgärten – wenn diese keine Rasen-Monokultur sind.

Weltweit wohnen immer mehr Leute in Städten. Dementsprechend nimmt auch die Siedlungsfläche zu. Doch städtische Räume gelten landläufig nicht gerade als ideale Lebensräume: Selbst wenn dort Grünflächen, Gärten und Parks existieren, sind sie durch Straßen und andere versiegelte Flächen voneinander getrennt. Während dies für Stadtvögel oder Säugetiere kein Hindernis bedeutet, sind gerade kleinere, flugunfähige Organismen dadurch voneinander isoliert.

Gartenbewohner unter der Lupe

Welche Rolle das Stadtgrün dennoch für die Artenvielfalt spielt, haben nun Forscher der Universität Basel in einer großangelegten Feldstudie näher untersucht. Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Vielfalt der einheimischen Pflanzen und bodenlebenden Tiere im Laufe des Jahres 2018 in 35 Gärten in Basel und Umgebung. „Fliegende Tiere können in kleinen Untersuchungsgebieten wie Gärten nur auf der Durchreise sein“, erklärt Projektleiter Bruno Baur. „Deshalb haben wir den Fokus auf eine Erfassung der nicht-flugfähigen, eher versteckt lebenden Kleintiere gelegt, wie etwa Ameisen, Asseln, Käfer, Schnecken, Spinnen und Tausendfüßler.“

Diese Kleinlebewesen werden von den Gartenbesitzern in der Regel kaum wahrgenommen, erfüllen aber wichtige Funktionen im Ökosystem Garten. „Beispielsweise helfen Spinnen mit, Schadinsekten zu reduzieren. Ameisen durchmischen die Erde und tragen so wesentlich zur Bodendurchlüftung bei, während Asseln und Tausendfüßler bedeutend für die Bodenbildung sind“, erklärt der Naturschutzbiologe.

Überraschend vielfältig

Die Auswertung ergab: Selbst kleine und isolierte Grünflächen können zum Erhalt der Biodiversität im bebauten Gebiet beitragen. In den 35 Gärten wiesen die Forscher insgesamt 254 Arten nach, darunter 24 Ameisenspezies, zehn Asselarten, 87 Kurzflügelkäfer- und 24 Laufkäferarten, 39 verschiedene Schnecken, 52 Spinnen und 18 Tausendfüßlerarten. Neben weitverbreiteten Arten fanden sich darunter auch einige seltene und auf der Roten Liste der Schweiz aufgeführte Spezies. Vier Tausendfüßlerarten wurden sogar zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz entdeckt.

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Allerdings: Nicht jeder Garten ist deshalb gleich ein Paradies für Kleinlebewesen. „Wir haben festgestellt, dass die Strukturvielfalt der einzelnen Gärten entscheidend ist, also die Kombination verschiedenster Kleinlebensräume wie Grasflächen, Büsche, Laubhaufen oder etwa Totholz“, berichtet Baurs Kollegin Brigitte Braschler. „Bei den meisten Tiergruppen nahm die Artenvielfalt mit der Strukturvielfalt des Gartens zu.“

Gartenbesitzer können demnach direkt zum Erhalt der Biodiversität in der Stadt beitragen. Wenn sie ihren Garten möglichst abwechslungsreich gestalten und auf eine Rasen-„Monokultur“ verzichten, leisten sie einen nachhaltigen Beitrag zur Artenvielfalt, so die Forscher. Sie haben ihre Ergebnisse jetzt auf einer Naturschutz-Tagung in Basel vorgestellt.

Quelle: Universität Basel

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