Erster Halt: Nase - wissenschaft.de
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Erster Halt: Nase

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Um ein Gesicht als ein Gesicht zu erkennen, reichen zwei verschiedene Punkte in der Mitte der Nase aus. Foto: Maksim
Beim Blick in ein Gesicht folgen Menschen unbewusst der Devise „immer der Nase nach“: Sie fixieren nicht Augen oder Mund, sondern nacheinander zwei verschiedene Punkte in der Mitte der Nase. Das reicht aus, um ein Gesicht als solches zu identifizieren, haben zwei US-Psychologen gezeigt. Dahinter steckt ihrer Ansicht nach eine Besonderheit der Gesichtserkennung: Im Gegensatz zu anderen Objekten wird ein Gesicht als Ganzes und nicht als Summe seiner Teile erfasst. Es erscheine also sinnvoll, den Fokus als erstes auf die Mitte des Gesichts zu richten und so mit einem Blick so viele Informationen wie möglich rund um den Fixierungspunkt zu erfassen.

Für die Studie schauten sich 16 Freiwillige jeweils drei Sekunden lang Bilder von verschiedenen Gesichtern an. Anschließend bekamen sie weitere Bilder gezeigt, bei denen sie angeben sollten, ob sie die Gesichter aus dem ersten Test wiedererkannten. Während der gesamten Testdauer registrierten die Forscher genau, wohin die Probanden wie lange schauten. In einem Teil der Versuche manipulierten sie zudem die Anzahl der Fixierungspunkte, die die Teilnehmer verwenden durften. Waren beispielsweise nur zwei Punkte erlaubt, blendeten die Wissenschaftler das Bild aus, sobald der Betrachter seinen Blick zum zweiten Mal schweifen ließ.

Die Ergebnisse lieferten den Psychologen zwei Erkenntnisse: Zum einen schauten alle Probanden als erstes auf einen Punkt etwas links von der Nase und dann direkt etwas nach rechts, ziemlich genau auf die Nasenmitte. Zum anderen erkannten die Teilnehmer dann die meisten Gesichter wieder, wenn ihnen genau zwei Fixierungspunkte zugestanden worden waren. Entscheidend für die Gesichtserkennung ist es laut den Forschern demnach, die Nase von zwei verschiedenen Positionen aus zu fixieren ? die erste für das möglichst vollständige Erfassen der Gesichtszüge und die zweite für zusätzliche Informationen aus einer etwas anderen Perspektive.

Interessant finden sie den Linksdrall ihrer Testpersonen. Dafür gebe es mehrere mögliche Erklärungen. So könnte es sich um ein erlerntes Verhalten handeln, da alle Probanden mit der englischen Sprache aufgewachsen und daher gewohnt waren, von links nach rechts zu schauen. Alternativ könnte die Tendenz jedoch auch die Asymmetrie des Gehirns widerspiegeln: Früheren Studien zufolge ist es hauptsächlich die rechte Gehirnhälfte, die für die Gesichtserkennung verantwortlich ist ? und diese kontrolliert die linke Körperseite. Es sei jedoch auch möglich, dass der Linksdrall auf eine biologische Besonderheit zurückgeht und die linke Gesichtsseite eines Menschen tatsächlich mehr Informationen vermittelt als die rechte. Dafür spreche beispielsweise, dass ein Gesicht aus zwei linken Hälften dem Original mehr ähnele als eines aus zwei rechten Hälften.

Janet Hui-wen Hsiao und Garrison Cottrell (Universität von Kalifornien, San Diego): Psychological Science, Oktoberausgabe, in press ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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