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Es gibt noch 84 Amurleoparden

Amurleopard
Amurleopard in freier Wildbahn (Foto: Emmanuel Rondeau)

Sie sind die letzten ihrer Art: Biologen haben erstmals genauer ermittelt, wie viele Amurleoparden es noch gibt – eine Großkatzen-Unterart, die nur noch im Grenzgebiet von Russland und China vorkommt. Aufnahmen von Kamerafallen beiderseits dieser Grenze enthüllten: Diese letzte Population der Amurleoparden besteht nur aus 84 Tieren. Das ist zwar etwas mehr als nach früheren Schätzungen. Dennoch bleibt der Amurleopard damit eines der am stärksten bedrohten Raubtiere der Erde.

Einst streifte der Amurleopard (Panthera pardus orientalis) durch große Teile Nordost-Chinas, den Südosten Russlands und kam auch auf der koreanischen Halbinsel vor. Doch heute ist das Verbreitungsgebiet dieser Leoparden-Unterart drastisch geschrumpft: „Seit den 1970er Jahren gibt es nur noch eine einzige Population von Amurleoparden im Südwesten der russischen Primorskii-Provinz „, erklären Anna Vitkalova vom russischen Biosphärenreservat Kedrovaya Pad in Vladivostok und ihre Kollegen. Von diesem Restbestand aus wandern einzelne Tiere nach Süden ins chinesische Grenzland ein.

Kamerafallen im Grenzland

„Diese grenzüberschreitende Population repräsentiert den gesamten Restbestand dieser Leoparden-Unterart weltweit“, so die Forscher. Wie viele Amurleoparden jedoch noch in diesem unzugänglichen Grenzland leben, ließ sich bisher nur aufgrund von Spuren im Schnee schätzen. In Russland kamen Zählungen dabei nur noch auf 25 bis 50 Tiere – dabei war jedoch nicht klar, ob nicht einige Spuren von den gleichen Individuen stammten, wie Forscher berichten.

Jetzt haben die Wissenschaftler in einer gemeinsamen Aktion mit chinesischen Kollegen eine Erhebung mittels Kamerafallen durchgeführt. Der große Vorteil: Weil jeder Leopard ein individuelles Fleckenmuster besitzt, lassen sie sich auf Fotos eindeutig identifizieren, Doppelzählungen können so vermieden werden. In Russland wurden dafür rund 150 Fotofallen, in China rund 450 Kameras aufgestellt. Die zwischen 1,8 bis 7,4 Kilometer voneinander entfernten Kameras deckten damit ein Gebiet von mehr als 12.000 Quadratkilometer ab. Die Forscher haben nun die Aufnahmen von 2014 und 2015 ausgewertet.

Überraschend viele „Grenzgänger“

Das Ergebnis: Es gibt wahrscheinlich nur rund 84 Amurleoparden im Grenzland zwischen China und Russland – ihrem letzten Refugium überhaupt. Wie die Auswertungen ergaben, halten sich 75 Prozent dieser Amurleoparden fast nur auf der russischen Seite der Grenze auf, rund 20 Prozent haben ihr Territorium auf der chinesischen Seite. „Angesichts der Sorge um den Status der Leoparden weltweit ist diese erste robuste Erhebung dieser am stärksten gefährdeten Leoparden-Unterart besonders wichtig“, so die Forscher.

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Wie die Fotodaten enthüllten, sind überraschend viele dieser letzten Amurleoparden regelmäßige Grenzgänger: Rund ein Drittel der Tiere tauchten auf Aufnahmen beiderseits der chinesisch-russischen Grenze auf. „Wir wussten, dass die Leoparden über die Grenze wandern, aber nur durch Kombination der Daten wissen wir nun, wie viele solcher Bewegungen es wirklich gibt“, sagt Vitkalova. Dieses Ergebnis unterstreiche, wie wichtig transnationale Kooperation bei Tierzählungen in Grenzbereichen sei. Ohne eine solche Zusammenarbeit werden die wahren Bestände wahrscheinlich überschätzt, weil Grenzgänger“ doppelt erfasst werden.

Quelle: Wildlife Conservation Society, Fachartikel: Conservation Letters, doi: 10.1111/conl.12574

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