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Umwelt+Natur

Essen für den Müll

Lebensmittel im Müll
Jährlich landen bei uns 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll (Foto: MachineHeadz/iStock)

Heute ist der Tag der Lebensmittelverschwendung. Das bedeutet: Wir haben bisher so viele Lebensmittel weggeworfen und verschwendet, dass umgerechnet alle seit Jahresanfang für Deutschland produzierten Nahrungsmittel im Müll gelandet sind. Pro Jahr gehen durch diese Verschwendung rund 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel verloren. Erst ab heute, dem 02. Mai, werden die Lebensmittel – rechnerisch gesehen – wieder tatsächlich genutzt, wie die Umweltorganisation WWF ausgerechnet hat.

Das Problem ist altbekannt: Statt unsere Nahrungsversorgung möglichst effektiv und umweltschonend zu gestalten, verschwenden wir Unmengen von Lebensmitteln – sie werden ungenutzt weggeworfen. Laut WWF werden jährlich 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche bewirtschaftet, nur um die darauf angebauten Produkte später wegzuwerfen. Durch Produktion, Transport und Verpackung dieser Produkte werden außerdem rund 48 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen unnötig freigesetzt.

Ein Drittel wird nicht genutzt

Das Problem ist inzwischen so umfassend, dass es in die Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der UN aufgenommen wurde. Sie sehen vor, „bis 2030 die weltweite Nahrungsmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene zu halbieren und die entlang der Produktions- und Lieferkette entstehenden Nahrungsmittelverluste einschließlich Nachernteverlusten zu verringern.“ Studien zufolge entstehen über 60 Prozent der Verluste entlang der Wertschöpfungskette – vom Produzenten bis hin zu Großverbrauchern wie der Gastronomie und Betriebsküchen, ungefähr 40 Prozent haben die Privathaushalte zu verantworten.

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hat die Naturschutzorganisation WWF den „Tag der Lebensmittelverschwendung“ lanciert. Mit ihm will sie symbolisch verdeutlichen, dass wir in der Bundesrepublik fast ein Drittel des aktuellen Verbrauchs von Lebensmitteln ungenutzt verschwenden. „Umgerechnet sind alle Nahrungsmittel, die wir in den ersten vier Monaten von 2018 produziert haben, auf dem Müll gelandet“, sagt Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin für Landwirtschaft. Erst der 02. Mai markiert den Tag im Jahr, ab dem die für Deutschland produzierten Nahrungsmittel nicht mehr auf dem Müll landen, sondern endlich verwertet und tatsächlich genutzt werden.

Was tun die Bundesländer?

Bereits heute könnten laut WWF auch ohne den Einsatz neuer Technologien 10 der 18 Millionen Tonnen Lebensmittelverluste vermieden werden – etwa durch ein verbessertes Management entlang der Wertschöpfungskette, nachhaltigere Marketingstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten. Tatsächlich haben bereits einige deutsche Bundesländer Maßnahmen eingeleitet, die der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenwirken. Welche Bundesländer hier vorbildlich sind und welche eher Nachzügler, hat der WWF in einer aktuellen Studie untersucht.

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Das Ergebnis: Unter den 16 Bundesländern sind fünf Pioniere, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt und in umfassender Weise das Thema angegangen haben. Dazu gehören Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Sie haben Maßnahmen gegen die Verschwendung im Abfallwirtschaftsplan verankert, konkrete Aktionen finanziert und lanciert und bereits messbare Erfolge erzielt, wie die Studie ergab. Eher zum Mittelfeld gehören dagegen Berlin, Brandenburg, Hessen, Saarland und Schleswig-Holstein mit erst vor kurzem gestarteten Maßnahmen oder bisher kaum messbarer Wirkung. Nachzügler sind Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – hier ist bislang nichts oder kaum etwas passiert, so der WWF.

Was müsste getan werden?

Einer der Kritikpunkte an den bisherigen Maßnahmen: Es fehle bis heute an einer fundierten Erfassung der Lebensmittelverluste. „Damit ist es auch nicht möglich nachzuweisen, ob überhaupt und was konkret erreicht worden ist“, sagt Dräger de Teran. „Wir brauchen endlich eine abgestimmte nationale Strategie zur Verminderung von Lebensmittelverlusten, die klare und verbindliche Zielvorgaben vom Produzenten über die Lebensmittelindustrie bis hin zum Handel und der Gastronomie erarbeitet.“

Nötig ist nach Angaben der Umweltschutzorganisation zudem eine bessere, koordinierte Öffentlichkeitsarbeit, die nicht nur die Endverbraucher, sondern vor allem die Akteure in der Wertschöpfungskette anspricht. Bei der Vergabe von Gastronomie-Aufträgen durch öffentliche Einrichtungen sollte zudem die Vermeidung der Verschwendung Teil des Leistungskatalogs sein. Auch die Vernetzung der Akteure und Maßnahmen müsse verbessert werden, so der WWF. Sinnvoll sei zudem eine Ernährungsbildung schon im Schulunterricht.

Quelle: WWF World Wide Fund For Nature

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