EU-Behörde bestätigt Neonicotinoid-Schadwirkung - wissenschaft.de
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EU-Behörde bestätigt Neonicotinoid-Schadwirkung

Honigbiene an einer Rapsblüte (Foto: kojihirano/iStock)

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bestätigt, dass drei Pflanzenschutzmittel aus der Gruppe der Neonicotinoide für Wild- und Honigbienen schädlich sind. Für ihr Gutachten hatte die Behörde mehr als 1500 wissenschaftliche Studien zu diesem Thema ausgewertet. Alle drei Insektizide, Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, dürfen seit 2013 in der EU nur noch eingeschränkt eingesetzt werden. Die jetzige Bewertung der EFSA könnte den Weg zu einem generellen Verbot des Freilandeinsatzes dieser drei Mittel ebnen.

Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide stehen schon seit einiger Zeit im Verdacht, für Bienen und Hummeln schädlich zu sein – trotz anderslautender Beteuerungen der Hersteller. Studien belegen, dass diese Insektizide das Nervensystem der Insekten schädigen können. Dadurch verlieren die Bienen die Orientierung und finden nicht mehr zum Stock zurück. Außerdem deuten Studien an Wespen darauf hin, dass Neonicotinoide auch den Geruchssinn von Hautflüglern und damit ihre Partnerfindung und Fortpflanzung stören.

Neubewertung auf Basis von 1500 Studien

Im Jahr 2013 hat die EU deshalb den Einsatz von drei Neonicotinoiden, Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam, stark eingeschränkt. Bis weitere wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen, dürfen diese Mittel nur noch bei Wintergetreide und bei Pflanzen genutzt werden, die keine Bienen anziehen. Die Vorbehandlung von Samen jedoch, das sogenannte Beizen, ist nach wie vor zulässig. Dieses Moratorium war jedoch zeitlich befristet – es sollte gelten, bis weitere Erkenntnisse vorliegen.

Genau das ist jetzt der Fall: Für ihre aktuelle Bewertung hat die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) 1500 wissenschaftliche Studien herangezogen, die in den letzten Jahren erschienen sind. Die Daten umfassen dabei sowohl die Reaktionen von Honigbienen als auch von Hummeln und solitären Wildbienen. Berücksichtigt wurden dabei drei mögliche Expositionswege: Rückstände der Pestizide in Pollen und Nektar, Rückstände im Wasser und in aufgewirbeltem Staub, der während oder nach der Aussaat von gebeiztem Saatgut entsteht. „Die Verfügbarkeit einer so substanziellen Menge an Daten hat es uns ermöglicht, zu sehr detaillierten Schlussfolgerungen zu kommen“, sagt Jose Tarazona, Leiter der Pestizid-Abteilung der EFSA.

„Insgesamt ein Risiko für Bienen“

Das Fazit der Behörde: „Für den Freilandeinsatz dieser Substanzen gab es jeweils mindestens einen Expositionsweg mit hohem Risiko. Das führt uns zu dem Schluss, dass diese Neonicotinoide insgesamt ein Risiko für Bienen darstellen.“ Wie die EFSA ausführt, legten die Daten nahe, dass Bienen, die auf behandelten Felder oder in deren Nähe auf Futtersuche sind, wahrscheinlich schädlichen Mengen der Neonicotinoid-Pestizide ausgesetzt werden. „Denn Pollen und Nektar der behandelten Pflanzen enthalten Pestizid-Rückstände und durch den verwehten Staub können auch Pflanzen im Umfeld kontaminiert werden“, heißt es in einer Mitteilung.

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Damit stellt die EFSA klar, dass sie die drei Insektizide klar für bienenschädlich hält, wenn sie im Freiland ausgebracht werden. „Damit werden manche Studien, die keine Effekte gefunden haben, zurückgewiesen – insbesondere solche, die mit Mitteln der Industrie durchgeführt wurden“, kommentiert der Bienenforscher Randolph Menzel von der Freien Universität Berlin. „Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis, denn schließlich ist die EFSA nicht gerade dafür bekannt, besonders kritisch zu sein, wenn es um die Aussagen der Industrie geht.“

Spannend ist die aktuelle Beurteilung im Hinblick auf die Frage, ob die bisher geltenden Einschränkungen für diese drei Neonicotinoide nun verschärft werden. Am 22. März will die EU-Kommission in einer Sitzung über den Vorschlag diskutieren, den Einsatz dieser Mittel im Freiland generell zu verbieten. Unterstützt wird ein solches Verbot von Umweltorganisationen, aber auch von der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Quellen: EFSA, SMC, BMU

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