EU-Bürger betonen: „Zeit zu handeln!“ - wissenschaft.de
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EU-Bürger betonen: „Zeit zu handeln!“

Das Problem ist ausgesprochen komplex! (Bild: ricochet64/iStock)

Die 25. UN-Klimakonferenz COP 25 in Madrid hat begonnen: Bis zum 13. Dezember wird nun erneut über Klimaschutzmaßnahmen debattiert – das Motto soll dabei heißen: „Zeit zu handeln“. Inwieweit die Ergebnisse in diesem Jahr über Absichtserklärungen hinausgehen, bleibt fraglich. Doch zumindest scheint klar: Nach einem Jahr voller Protestaktionen sind die Erwartungen und der Druck auf die internationale Klimapolitik so hoch wie nie zu vor. Dies geht nun auch aus dem Ergebnis einer aktuellen Eurobarometer-Umfrage hervor: Der Kampf gegen den Klimawandel ist demnach das wichtigste Umweltthema für die EU-Bürger.

Seit Jahren werden die Warnrufe von Wissenschaftlern und Experten immer lauter – doch die Weltgemeinschaft reagiert träge. Erst kürzlich hat dies der „Emissions Gap Report“ des Umweltprogramms der UNO erneut verdeutlicht. Verlassen wir uns demnach auf die bisher im Rahmen des Pariser Abkommen eingereichten nationalen Klimaschutzpläne, ist in diesem Jahrhundert mit einer Temperaturerhöhung um 3,2 Grad Celsius zu rechnen. Damit würde das 1,5 Grad Ziel des Pariser Abkommens um mehr als das Doppelte verfehlt. Die drei Sonderberichte des Weltklimarats IPCC, die in den vergangenen zwölf Monaten erschienen sind, vermitteln ebenfalls, dass ein Kurswechsel unbedingt nötig ist.

Das bedeutet im Klartext: Wir sind weiterhin auf Katastrophenkurs und schnelle Korrekturen sind erforderlich. Besonders kritisch ist dabei: Wenn es schließlich auch den Klimaskeptikern und Zauderern zu „heiß“ wird, könnte es für ein Umlenken zu spät sein. Denn bei weiterer Erwärmung könnte es durch positive Rückkopplungen zu einer fatalen Eigendynamik der Klimaentwicklung und ihren Folgen kommen, wie Wissenschaftler in der letzten Woche erneut im Fachmagazin „Nature“ gewarnt haben.

Wie sieht es an der demokratischen Basis aus?

Vor diesem Hintergrund soll auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz COP 25 nun geklärt werden, wie sich die internationalen Klimaschutz-Anstrengungen möglichst schnell erhöhen lassen. Da die an der Konferenz teilnehmenden Politiker die Volksvertreter ihrer Länder sind, ist die Frage wichtig, inwieweit die Menschen hinter den Bemühungen um den Klimaschutz stehen. Der Europäischen Union kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu, denn die Staatengeneinschaft trägt in erheblichem Maße zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen bei und hat Vorbildfunktion. Innerhalb der Union gibt es dabei wiederum ein besonderes Schwergewicht: Deutschland.

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Um zu beleuchten, was die europäischen Bürger von der Umweltpolitik der EU erwarten, hat das Umfrage-Institut Kantar im Auftrag des Europäischen Parlaments eine sogenannte Eurobarometer-Umfrage durchgeführt. Dabei wurde im Oktober 2019 eine repräsentative Stichprobe von 27.607 Personen aus allen 28 EU-Mitgliedstaaten persönlich befragt.

Die Auswertungen ergaben: Die EU-Bürger setzen den Klimawandel an die Spitze der Prioritätenliste. Eine Mehrheit (52 %) betrachtet den Klimawandel demnach als das dringlichste aller Umweltthemen, gefolgt von der Luftverschmutzung (35 %), Meeresverschmutzung (31 %), Entwaldung und der wachsenden Menge an Abfällen (jeweils 28 %).

Klimawandel ist wichtigstes Umweltthema

EU-weit sprechen sich 32 % der Bürger für den Kampf gegen den Klimawandel und für den Schutz der Umwelt als wichtigstes Thema aus, mit dem sich die Abgeordneten befassen sollten. Es ist der am häufigsten genannte Punkt in 11 Mitgliedstaaten, insbesondere in Schweden (62 %), Dänemark (50 %) und den Niederlanden (46 %). Auch in Deutschland führt der Punkt die Liste der wichtigsten Themen an (40 %).

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage ist: Der Klimawandel war bereits einer der Hauptgründe für die Teilnahme an der Europawahl im Mai, insbesondere bei jungen Menschen. Es zeichnet sich zudem ab, wie die jugendgeführten Proteste von „Fridays for Future“ im Laufe des Jahres Millionen von Menschen in der EU und weltweit mobilisiert haben. Die Eurobarometer-Umfrage zeigt in diesem Zusammenhang, dass fast sechs von zehn EU-Bürgern glauben, dass Proteste direkte Auswirkungen auf die Politik auf nationaler und europäischer Ebene haben.

Der Druck ist deutlich gestiegen

Parlamentspräsident David Maria Sassoli, der als Vertreter der EU an der UN-Klimakonferenz COP25 teilnehmen wird sagt dazu: „Diese Umfrage zeigt sehr deutlich, dass die Europäer von der EU Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels erwarten. Dazu passt, dass das Europäische Parlament in Straßburg nun eine Entschließung angenommen hat, in der es den Klima- und Umweltnotstand in Europa und weltweit erklärt. Wir hören unseren Bürgern zu und betonen, dass es wichtig ist, den Worten auch Taten folgen zu lassen“, so der Politiker.

Ähnlich äußerte sich der deutsche Außenminister Heiko Maas im Hinblick auf die UN-Klimakonferenz: „Europa muss führen, denn nur dann werden auch Länder wie China und Indien Kurs halten. Das bedeutet: Die EU muss ihre Klimaziele für 2030 nächstes Jahr nachschärfen und ehrgeiziger formulieren. Der European Green Deal darf keine leere Floskel bleiben!“, sagte Maas auf einem Briefing zu den Zielen der 25. UN-Klimakonferenz. Bundesumweltministerin Svenja Schulze äußerte sich auf dieser Veranstaltung ebenfalls entschlossen: „Ein wichtiger Punkt ist, weltweit ein verlässliches Anrechnungssystem für Emissions-Zertifikate zu etablieren. Ich setze mich ein für ein System ohne Schlupflöcher und ohne Doppelzählungen, denn nur so können auch Marktmechanismen den globalen Klimaschutz wirklich voranbringen. Vor allem die großen Volkswirtschaften müssen mit mehr Mut vorangehen – auch die Europäische Union. Das muss international gut vorbereitet sein. Auch dafür wollen wir die Konferenz in Madrid nutzen“, sagt Schulze.

Die kommenden zwei Wochen werden nun zeigen, inwieweit sich diese Absichtserklärungen umsetzen lassen. Der erhöhte Erfolgsdruck und die demokratische Grundlage für das Motto „Zeit zu handeln“ geben dabei immerhin etwas Hoffnung.

Quelle: Deutsches Klima-Konsortium e.V., Europäisches Parlament

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