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Europaweit erste Genbank für Honigbienen

Apis mellifera
Europäische Honigbiene Apis mellifera (Bild: Daniel Prudek/ iStock)

Honigbiene ist nicht gleich Honigbiene: Allein die in Europa dominierende Art Apis mellifera besitzt rund 25 Unterarten – einige davon sind jedoch akut bedroht. Deshalb haben Forscher nun mit dem Aufbau einer ersten europäischen Genbank für Honigbienen begonnen. Die dort eingefrorenen DNA-Proben sollen eine Art „Notfallreserve“ für die Zukunft bilden und die Genvielfalt dieser wichtigen Insekten auch auf lange Sicht hin erhalten helfen.

Die genetische Vielfalt einer Art gilt als wichtige Voraussetzung für ihr Überleben auch in wechselhaften Zeiten. Denn je breiter das Gen-Spektrum ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bei einem Klimawechsel oder anderen Umweltveränderungen wenigstens einige Vertreter dieser Spezies anpassen können. „Der Erhalt der genetischen Vielfalt ist eine Art Versicherung gegenüber den Folgen zukünftiger Veränderungen“, erklärt Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf.

Schwindende Vielfalt auch bei der Honigbiene

Doch gerade bei den europäischen Honigbienen nimmt die genetische Vielfalt rapide ab. Die in Europa dominierende Bienenart Apis mellifera hat rund 25 Unterarten – einige davon sind durch regionale Differenzierung entstanden, andere durch gezielte Zucht. So war die Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera) ursprünglich die einzige nördlich der Alpen vorkommende Honigbienen-Unterart. Inzwischen ist sie jedoch so gut wie ausgerottet. Stattdessen kultivieren Imker hierzulande meist die ursprünglich nur südlich der Alpen vorkommende Kärnter Biene (Apis mellifera carnica). Doch auch die genetische Vielfalt dieser häufig gezüchteten Variante nimmt bereits ab.

Gegensteuern soll nun die europaweit erste Genbank für Honigbienen. Für dieses vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Projekt sammeln Experten des Länderinstituts für Bienenkunde Hohen Neuendorf sowie des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen Proben von über 300 Bienenvölkern im In- und nahegelegenen Ausland. Anschließend wird das Genmaterial dieser Bienen bei -196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff eingefroren. „Die Sicherung des genetischen Materials kann dazu beitragen, die Generosion der Honigbienen einzudämmen“, sagt Bienefeld.

Genbank als Notfallreserve

Die Genbank soll quasi als Notfallreserve für die Zukunft dienen. Denn die dort eingelagerte DNA könnte die genetische Vielfalt der Honigbienen auch dann sichern, wenn ihre Spender-Unterarten im Freiland stark dezimiert oder sogar ausgerottet sind. Zudem stünde damit wertvolles Genmaterial zur Verfügung, um die Bienen künftig besser gegen den Klimawandel oder Krankheiten zu schützen. Allerdings: Ein Ersatz für den Schutz der noch vorhandenen Bienenarten ist diese Genbank nicht. Denn durch die DNA allein werden noch keine Blüten bestäubt oder Bienenstöcke gerettet. Doch die Gene könnten dabei helfen, mit Mitteln der Gentechnik widerstandsfähigere Honigbienen-Varianten zu züchten.

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Fertig sein soll die neue Honigbienen-Genbank Ende 2021. Deutschland wäre dann das erste Land mit einer derartigen Genreserve für Honigbienen. „Das könnte als Vorbild für ähnliche Initiativen EU- ja weltweit dienen, da manche an extreme Klimabedingungen angepasste Bienenrassen in vielen Ländern bereits durch Importe stark gefährdet sind“, sagt Bienefeld.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

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