Evolution der Kommunikation - wissenschaft.de
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Evolution der Kommunikation

Genau wie Menschen benutzen auch Gorillas für die Kommunikation ihre linke Hirnhälfte, hat eine britische Psychologin beobachtet. Die Kombination aus Gesichtsausdrücken, Gesten, Körperhaltung und Lauten, mit der sich die Menschenaffen verständigen, ist daher möglicherweise genau das Kommunikationssystem, das auch die Menschen vor der Entwicklung der Sprache verwendeten. Das Hirnareal, das diese nicht-verbalen Signale steuert und verarbeitet, habe sich dann später zum echten Sprachzentrum weiterentwickelt, schreibt Gillian Sebestyen-Forrester.

Wenn ein Mensch sich mit einem anderen unterhält, übermittelt er nicht nur durch die Sprache Informationen. Auch Signale wie Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Tonlage, Blickrichtung oder kurze Berührungen tragen entscheidend zur Kommunikation bei: Sie definieren den Kontext des Gesagten, geben Auskunft über die Stimmungslage des Sprechers und klären die sozialen Beziehungen. Derartige nicht-verbale Kommunikationssignale kennen Forscher auch von Tieren, darunter Präriehunde, Erdmännchen, Bienen, verschiedene Vogelarten und auch Affen. Allen gemeinsam sei, dass für die Verständigung mehrere Sinne ? der Hörsinn, das Auge und der Tastsinn ? zusammenarbeiten, erklärt Sebestyen-Forrester. Bei der Untersuchung von Kommunikationssystemen bei Tieren und speziell bei Menschenaffen ist dieser Faktor ihrer Ansicht nach jedoch bisher zu wenig berücksichtigt worden.

Aus diesem Grund entwickelte die Psychologin eine neuartige Methode, um die Kommunikation in einer Gorilla-Gruppe genauer analysieren zu können: Sie zeichnete das Verhalten einer 13-jährigen Gorilladame namens Foufou sorgfältig mit einer Videokamera auf und ließ eine zweite Kamera parallel dazu die gesamte Gruppe erfassen. Bei der anschließenden Auswertung zerlegte sie jede Situation in verschiedene Phasen und beschrieb jede einzelne Bewegung, Lautäußerung oder Kontaktaufnahme von Foufou. Danach ließ sie ein Statistikprogramm nach wiederkehrenden Mustern von Bewegungen oder Lauten suchen und in die verschiedenen Situationen einordnen. Das Ergebnis: Foufou kombinierte überdurchschnittlich häufig Bewegungen ihres rechten Arms mit Kopf- oder Mundbewegungen, wenn sie mit ihren Artgenossen kommunizierte. Da der rechte Arm von der linken Hirnhälfte gesteuert wird, war demnach diese Seite des Gehirns immer dann aktiv, wenn es um die Weitergabe von Informationen ging.

Einen ähnlichen Effekt kenne man auch vom Menschen, der ebenfalls dazu tendiere, eine Rede mit Gesten der rechten Hand zu begleiten, erklärt die Forscherin. Sie glaubt daher, bei den Gorillas die Anfänge eines Kommunikationssystems entdeckt zu haben, aus dem sich im Lauf der Zeit eine Sprache entwickeln könnte. Ihre Analysemethode will sie in Zukunft außerdem einsetzen, um Kindern mit schwerwiegenden Sprachstörungen zu helfen.

Gillian Sebestyen-Forrester (Universität von Sussex, Großbritannien): Animal Behaviour, Bd. 76, S. 1749. ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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