Ewiges Leben - Britische Forscher widerlegen fundamentalen Lehrsatz der Biologie - wissenschaft.de
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Ewiges Leben – Britische Forscher widerlegen fundamentalen Lehrsatz der Biologie

Im Körper von Ratten haben Wissenschaftler des University College in London Zellen entdeckt, die offenbar ewig leben können. Damit gerät eines der fundamentalen Lehrsätze der Biologie ins Wanken: Bisher sind Forscher davon ausgegangen, dass alle gesunden Zellen von Säugetieren und Menschen nach ein paar dutzend Teilungen sterben.

„Zellen haben eine viel größere Wachstums-Kapazität, als sich irgendjemand vorgestellt hat“, erklärt der an der Studie mitwirkende Biologe Dean Tang gegenüber dem britischen „New Scientist“. Zwar kennen Forscher die Fähigkeit zur unendlichen Teilbarkeit von Säugetier-Zellen, doch galt die bisher als unerwünschte Ausnahme, die nur bei Krebszellen vorkommt. Die untersuchten Rattenzellen haben sich jedoch viele Hundert Mal geteilt ohne Krebszellen zu werden. Dass bisherige Studien zu anderen Ergebnissen kamen, lag an falschen Untersuchungs-Methoden, behaupten die Forscher des University College.

Um die potenzielle Teilungsrate einer Zellpopulation zu bestimmen, geben Biologen die Zellen in ein Nährmedium und bestimmen anschließend die Zahl der Teilungen, bis die Population abstirbt. Die beobachtete maximale Teilungsrate sollte das höchstmögliche Alter des Gesamtorganismus bestimmen. Für den Menschen errechneten Forscher auf diese Weise ein Höchstalter von 120 Jahren.

Tang und seine Kollegen wechselten für ihre Studien die übliche Zusammensetzung des Nährmediums. Zu ihrer Verblüffung stellten sie anschließend fest, dass die Rattenzellen in der neuen Umgebung offenbar unendlich lange lebten.

Die Entdeckung verleitet die Wissenschaftler zu weit reichenden Spekulationen. So könnte man etwa aus unendlich teilbaren Zellen robuste Ersatzorgane für Transplantationen züchten, die die Lebensspanne des Empfängers nachhaltig verlängern. Diese Überlegung lässt sich jedoch nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen, geben Tang und seine Kollegen zu. Menschliches Gewebe unterscheidet sich in einem wesentlichen Aspekt von den untersuchten Rattenzellen: Im Körper des Menschen verlieren Zellen bei jeder Teilung die äußeren Enden ihrer Erbmoleküle, den Chromosomen. Nach ein paar dutzend Teilungen haben die Chromosomen so viel an Substanz verloren, dass sie nicht mehr fehlerfrei funktionieren und die Zelle abstirbt. Rattenzellen hingegen besitzen ein Reparatur-Enzym, die so genannte Telomerase, die nach jeder Zellteilung wieder die ursprüngliche Länge der Chromosomen herstellt.

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Den Forschern scheint der Unterschied zu menschlichen Zellen jedoch kein Hindernis zu sein: Mithilfe der Gentechnik wollen sie die begehrte Eigenschaft der Rattenzellen auf menschliche Zellen übertragen. „Wahrscheinlich gibt es kein fundamentales Hindernis für entsprechende Gewebezüchtungen“, bestätigt der bekannte Zellbiologe Woodring Wright von der Universität Texas in Dallas.

bdw

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