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Umwelt+Natur

Familienplanung mit Weitblick

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Das Europäische Eichhörnchen Sciurus vulgaris plant seine Kinder entsprechend des künftigen Nahrungsangebots. Foto: Gianfranco Scieghi
Eichhörnchen können voraussagen, wie viele Samen ein Baum in der kommenden Saison tragen wird und planen die Anzahl ihrer Kinder entsprechend des künftigen Nahrungsangebots. Mit dieser Strategie gewinnen sie im evolutionären Tauziehen gegen Fichten und Kiefern, die mit periodisch wechselnder Samenproduktion eigentlich die Eichhörnchen austricksen wollten.

Eichhörnchen sind die Feinde der Fichten. Sie fressen ihre Samen und minimieren so den Fortpflanzungserfolg der Nadelbäume. Daher haben die Bäume eine Gegenstrategie entwickelt: Alle paar Jahre produzieren sie eine besonders große Menge an Samen, in den Jahre dazwischen gibt es dafür weniger. Damit überlisten sie ihre Räuber, denn Tiere können sich nur fortpflanzen, wenn für sie und ihren Nachwuchs genügend Futter vorhanden ist. Durch die Hungerjahre halten die Bäume die Anzahl der Samenfresser gering, damit während der einmaligen Überschussproduktion genug Samen für ihre Fortpflanzung übrigbleiben.

Die Eichhörnchen vereiteln jedoch diese Pläne häufig, wie Boutin und seine Kollegen nun herausgefunden haben. Über zwanzig Jahre lang verfolgten die Wissenschaftler in Kanada, Italien und Belgien das Spiel zwischen Eichhörnchen und ihren Futterbäumen und entdeckten Unerwartetes: Irgendwie können die roten Nager die nächste große Ernte voraussehen und zeugen mehr Nachwuchs, rechtzeitig zum üppigen Festmahl im kommenden Herbst. Die Kinder erst im nächsten Jahr als Antwort auf den Boom zu bekommen, wäre hingegen nicht sinnvoll, denn dann gäbe es für Eltern und Nachwuchs wieder nicht genug zu fressen, erklären die Forscher.

„Es ist, als würden die Eichhörnchen eine sehr erfolgreiche Strategie an der Börse verfolgen“, vergleicht Boutin. „Während es auf dem Markt noch schlecht aussieht, investieren sie viel, nämlich ihren eigenen Nachwuchs, heimsen aber hohe Dividenden ein, wenn der Markt wieder steigt“.

Über die Frage, woher die Tiere schon im Voraus wissen, wie viel Futter sie zu erwarten haben, können die Wissenschaftler nur spekulieren. Sie vermuten aber, dass die Eichhörnchen durch die Knospen der Bäume, die sie im Sommer fressen, auf die zu erwartenden Ernte schließen können.

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Die amerikanischen Eichhörnchen, auch Rothörnchen genannt, haben zudem noch eine zusätzliche Herausforderung gemeistert, wie die Biologen entdeckten: Sie warfen wie die Europäischen Eichhörnchen ein zweites Mal im Jahr und wurden schon trächtig, als sie die früher Geborenen noch säugten. Damit haben sie auch eine physiologische Hürde überwunden, erklären die Forscher, denn normalerweise verhindert das Säugen die Empfängnis von weiteren Kindern.

Stan Boutin (Universität Alberta, Edmonton) et al.: Science, Bd. 314, S. 1928 ddp/wissenschaft.de ? Annette Schneider
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