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Fangstopp soll Europäischem Aal helfen

Aal
Akut bedroht: der Europäische Aal. (Bild: Reinhold Hanel/ Thünen-Institut)

Der Europäische Aal war lange ein beliebter Speisefisch, ist aber inzwischen vom Aussterben bedroht. Deshalb werden die Bestände der glasartig durchsichtigen Jungaale streng überwacht. Inzwischen ist die Zahl der Glasaale an den europäischen Küsten so stark gesunken, dass der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) erstmals einen vollständigen Stopp der Aalfischerei empfiehlt.

Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) unternimmt im Laufe seines Lebens eine beeindruckende Reise: Von ihrem Geburtsort in der Sargassosee im Atlantik wandern die Fischlarven mehr als 5000 Kilometer mit dem Golfstrom bis an die europäischen Küsten. Inzwischen zu kleinen durchsichtigen Glasaalen entwickelt, erreichen die Tiere die Mündungsgebiete der Flüsse. Viele von ihnen setzen ihre Reise dort weiter flussaufwärts ins Süßwasser fort. Jahre später kehren sie dann als sogenannte Silberaale ins Meer und in die Sargassosee zurück, um zu laichen und zu sterben.

Bestände der Aale sind drastisch zurückgegangen

Doch diese Wanderung, kombiniert mit der Befischung vor allem der jungen Aale, hat den Fisch inzwischen an den Rand des Aussterbens gebracht. Wanderungsbarrieren wie Wasserkraftwerke und Dämme erschweren es den Aalen zusätzlich, ihre Lebensräume und Laichplätze zu erreichen. Als Folge wird der Europäische Aal von der Weltnaturschutzunion IUCN heute als vom Aussterben bedroht gelistet. Basis für diese Einstufung sind regelmäßige Kontrollen der Glasaalbestände an über 50 Orten entlang der europäischen Küsten. Sie belegen, dass ihre Zahl vor allem seit Beginn der 1980er Jahre stetig zurückgegangen sind. Im Jahr 2011 erreichten die Aalbestände dann einen historischen Tiefpunkt und stagnieren seither auf diesem Niveau.

Für Artenschützer und Fischereiwissenschaftler ist ein Alarmzeichen: „Bewegt sich das Jungfischaufkommen über einen längeren Zeitraum auf geringem Niveau, ist das ein Zeichen für eine nicht ausreichende Zahl an Elterntieren oder für ungünstige Umweltbedingungen“, erklärt Reinhold Hanel, Leiter des Thünen-Instituts für Fischereiökologie im Bremerhaven. Schwinden die Glasaale, spricht dies dafür, dass schon zu wenig ausgewachsene Aale die Wanderung zurück in die Sargassosee angetreten und überlebt haben. Wenn sie jedoch fehlen, macht dies eine Erholung des Bestandes unwahrscheinlich.

Fangstopp empfohlen – auch fürs Umsetzen

Als Reaktion auf den Rückgang der Aale hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) schon vor einiger Zeit empfohlen, die Aalfischerei und andere potenziell schädliche Eingriffe in die Fluss- und Meeresumwelt so weit wie möglich zu reduzieren. Jetzt hat der Rat dies noch einmal verschärft: In seinen Fangempfehlungen für 2022 spricht er sich erstmals klar für einen kompletten Stopp der Aalfischerei in sämtlichen Habitaten aus. Grundlage dieser Empfehlung ist das anhaltend sehr geringe Aufkommen von Aal-Jungfischen. Im Jahr 2020 lag ihr Bestand im Gebiet der Nordsee nur noch bei 0,9 Prozent gegenüber den Werten der 1960er und 70er Jahre. Im restlichen Europa liegt der Anteil bei 7,1.

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„Diese Entwicklung lässt keinen anderen Schluss zu und die Empfehlung ist nur folgerichtig, wenn auch überfällig“, kommentiert Hanel. Als positiv bewertet er auch, dass die ICES-Empfehlung ausdrücklich die Entnahme von Glasaalen als Grundlage für die Aal-Aquakultur und das Umsetzen in Seen und Flüsse miteinschließt. Dieses vielerorts praktizierte Umsetzen soll die lokalen Bestände in Seen und Flüssen aufstocken. Anders als beim Lachs, der künstlich erbrütet werden kann, werden dem Gesamtbestand dadurch aber keine Tiere hinzugefügt. Zudem sterben schon beim Transport von der Küste in die Binnengewässer einige dieser Aale und auch das Risiko für die Einschleppung von Krankheiten und Parasiten steigt, wie Handel erklärt. Dass es sich um eine Maßnahme zum Bestandsschutz handelt, sei daher zweifelhaft.

Ob und wie die aktuelle Empfehlung des ICES umgesetzt wird, bleibt allerdings abzuwarten. Denn die marinen Gewässer fallen zwar im Rahmen der gemeinschaftlichen Fischereipolitik in die Zuständigkeit der EU, die Binnenfischerei ist aber Ländersache. Ob man sich auf einen flächendeckenden Schutz dieser bedrohten Art verständigen kann, ist daher noch unklar.

Quelle: Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei; ICES Publikation, doi: 10.17895/ices.advice.7752

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Cu|ret|ta|ge  〈[kyrta] f. 19; Med.〉 = Kürettage [frz.]

atm  〈Abk. für〉 nicht mehr zulässige Druckeinheit ”physikalische Atmosphäre“, heute ersetzt durch die Einheit Bar, 1 atm = 1.033 at = 1.013 bar

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