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Fettig ist billiger

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Frische und gesunde Lebensmittel sind tatsächlich meist etwas teurer (SXC)
Gesundes Essen ist zu teuer – dieses Argument wird gern vorgebracht, wenn die Ernährungsgewohnheiten der sogenannten bildungsfernen Schichten in der Kritik stehen. Allein, an wissenschaftlichen Belegen mangelte es. Nun haben Forscher im Rahmen einer Metaanalyse 27 Studien zum Thema ausgewertet. Ihr Ergebnis: Wer Fertigfrikadellen und Tiefkühlpizza zu Gunsten von Obst, Gemüse und Fisch links liegen lässt, zahlt pro Tag tatsächlich rund einen Euro drauf.

Auf der Website der Hanseatischen Krankenkasse wird der Slogan „Gesund ist teuer“ als „Ernährungsmärchen“ tituliert: Natürlich könne man seine Arterien vor der Verstopfung bewahren und gleichzeitig Geld sparen, heißt es dort. Man müsse sich einfach auf die Grundnahrungsmittel konzentrieren,  eine Packung Reis oder einen Sack Kartoffeln holen, dazu saisonales Obst und Gemüse. Das sei letztlich billiger als eine Packung Fertigfritten.

Unterschied beim Fleisch besonders groß

Doch ganz so einfach geht die Rechnung nicht auf, wie Mayuree Rao von der Brown University in Providence und seine Kollegen festgestellt haben. Die Forscher werteten insgesamt 27 Studien zu den Kosten verschiedener Ernährungmuster aus zehn Ländern mit hohem Einkommen aus, darunter den USA, Japan,  Frankreich, Spanien, Schweden und den Niederlanden. Als gesund stuften sie Mahlzeiten ein, die einen hohen Anteil an Früchten, Gemüse, Nüssen und Fisch enthielten. Als ungesund galten unter anderem Produkte aus Weißmehl und Lebensmittel, die industriell verarbeitet worden waren – wie die berüchtigte Tiefkühlpizza. Für verschiedene Lebensmittel berechneten die Forscher, wie viel je eine Portion à 200 Kalorien kostete; für ganze Mahlzeiten ermittelten sie den Preis pro Tag bei einem Brennwert von 2.000 Kalorien.

Unterm Strich kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, das die gesündesten Mahlzeiten eine Person pro Tag im Schnitt um einen Euro teurer zu stehen kommen als die ungesündesten Gerichte – wobei zu bedenken ist, dass diese Berechnung den unterschiedlichen Lebensmittelpreisen in einzelnen Ländern nicht gerecht wird. Besonders deutlich zeigte sich der Preisunterschied zwischen der gesunden und der ungesunden Wahl bei Fleisch: Hier lag die Differenz bei 29 Cent pro Portion. Bei Vollkorn- und Weißmehlprodukten betrug sie lediglich 3 Cent, bei Milchprodukten war sie nicht existent.

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Bessere Infrastruktur für Junk-Food

Die Forscher sehen als Ursache für den Preisunterschied, „dass ein komplexes Netzwerk aus Kapazitäten in Anbau, Lagerung, Transport, Verarbeitung, Herstellung und Marketing entstanden ist, das den Verkauf stark verarbeiteter Lebensmittel zu maximalen Margen für die Industrie begünstigt.“ Deshalb sei es notwendig, eine ähnliche effektive Infrastruktur für gesunde Lebensmittel aufzubauen.  

„Diese Studie liefert das bisher umfassendste Bild zu den wahren Kosten gesunder Ernährung“, sagt Dariush Mozaffarian, einer der Co-Autoren. Zwar sei der Preisunterschied mit einem Euro geringer ausgefallen, als viele Leute erwartet hätten. Doch für eine einzige Person belaufen sich die Jahreskosten bereits auf 550 US-Dollar – etwa 400 Euro. „Das wäre für einige Familien eine echte Belastung“, räumt Mozaffarian ein. „Wir brauchen Strategien, um diese Kosten auszugleichen. Andererseits ist dieser Preisunterschied sehr gering im Vergleich zu den wirtschaftlichen Kosten ernährungsbedingter chronischer Erkrankungen. Sie würden sich durch eine gesündere Ernährung drastisch verringern.“

 

 

 

 

 

 

Quelle:

© wissenschaft.de – Nora Schlüter
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