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Fettleber als Reiseproviant

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Weiße Haie schwimmen auf ihren Wanderungen tausende von Kilometern (Thinkstock)
Weiße Haie (Carcharodon carcharias) sind Wanderer: Zu bestimmten Jahreszeiten verlassen sie ihre angestammten Reviere und schwimmen mehrere tausend Kilometer weit. Ähnlich wie viele Zugvögel fressen sie während dieser Reise kaum – sie zehren von ihren Reserven. Welche dies sind, hat ein internationales Forscherteam nun aufgeklärt: Die großen Meeresräuber nutzen ihre Leber als Energiespeicher. In ihr bunkern sie konzentriertes Fett, das sie während der Wanderung allmählich aufzehren. Mehr als ein Viertel ihres Körpergewichts kann das Organ zu Beginn ihrer Reise ausmachen – und es besteht dann zu fast 90 Prozent aus reinem Fett.

Von Zugvögeln kennt man das: Bevor sie im Herbst in ihre Winterquartiere aufbrechen, fressen sie sich erstmal einen ordentlichen Wanst an. „Dadurch wiegen sie beim Start oft locker das doppelte ihres normalen Körpergewichts“, erklären Gen Del Raye von der Stanford University in Pacific Grove und seine Kollegen. Auch Europäische Aale legen sich Reserven an, bevor sie aus ihren Geburtsflüssen in die Sargassosee aufbrechen. Die bevorzugte Form dieses Reiseproviants ist dabei meist Fett, denn dieses hat eine hohe Energiedichte und kann vom Körper leicht aus nahezu jeder Form der Nahrung produziert werden. Auch den Weißen Hai zieht es einmal im Jahr von der Küste ins offene Meer hinaus. Viele der vor Kalifornien lebenden Tiere schwimmen dann über mehrere tausend Kilometer weit bis in die Gewässer um Hawaii.

Sinkrate verrät Auftrieb – und das wiederum die Füllung der Leber

Dass auch die Weißen Haie bei ihrer Wanderung durch nahrungsarme Gewässer von ihren Fettreserven zehren, nimmt man schon seit einiger Zeit an. „Denn wie alle Haie besitzt auch der Weiße Hai hochentwickelte Fettspeicher in der Leber, die ihm helfen könnten, die Reise zu überstehen“, so die Forscher. Eine Haileber von 456 Kilogramm enthalte rund 400 Liter konzentriertes Öl – das entspreche immerhin zwei Millionen Kilokalorien. Bisher war es aber nahezu unmöglich nachzuweisen, wie die Haie diesen Reiseproviant nutzen. Del Raye und seine Kollegen schafften das nun mit Hilfe einer raffinierten Methode: Sie klebten 97 freilebenden Weißen Haien vor der Küste Kaliforniens kleine Sensorpakete auf die Rückenhaut, die ständig Position, Beschleunigung, Tauchtiefe und Temperatur maßen und diese Daten per Satellit übermittelten. Ihre Idee dabei: Weil die fettreiche Leber den Auftrieb der Tiere beeinflusst, lässt sich am Sinkverhalten der Haie feststellen, wie stark die Fettvorräte in der Leber während ihrer Wanderung abnehmen.

Und tatsächlich: Zwar lieferten nur neun der Tiere vollständige Datenreihen – aber diese bestätigten die Vermutung. Im Laufe der Wanderung nahm der Auftrieb der Weißen Haie stetig ab. Wenn sie sich nicht aktiv bewegten, sanken sie schneller ab als noch zu Anfang ihrer Reise. Sie mussten sich daher immer häufiger mit ihrem kräftigen Schwanz Schub verleihen. „Das deutet darauf hin, dass die Fettreserven in der Leber während der Wanderung abgebaut werden“, schlussfolgern die Forscher. Die Leber sei demnach offenbar tatsächlich das Organ, in dem der Energievorrat für die lange Strecke gespeichert werde.

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Diese Erkenntnis hat auch Bedeutung für den Erhalt und Schutz der bedrohten Weißen Haie, wie die Wissenschaftler betonen. Denn die lange, nahrungslose Wanderung überstehen die Tiere nur dann, wenn sie sich zuvor in ihren Lebensräumen an der Küste ausreichend Reserven anfressen konnten. Ist das nicht möglich, weil beispielsweise der Mensch Seehunde und andere Hai-Beute vertrieben oder überjagt hat, dann kann dies auch das Überleben der Weißen Haie bedrohen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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