Finkennachwuchs in guter Nachbarschaft - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Finkennachwuchs in guter Nachbarschaft

Zebrafinken lassen sich von ihren Nachbarn zur Fortpflanzung animieren: Hören sie den Gesang einer benachbarten Kolonie von Artgenossen, brüten sie früher und bekommen mehr Nachwuchs als ohne diese Stimulation. Das Gezwitscher hilft außerdem, den Zeitpunkt der Eiablage innerhalb der Kolonie zu synchronisieren. Das haben kanadische Biologen bei der Beobachtung von 90 Zebrafinkenpaaren entdeckt, denen sie Aufnahmen von Gesängen aus der eigenen oder einer fremden Kolonie vorspielten. Joseph Waas von der Queen’s Universität in Kingston und seine Kollegen beschreiben ihre Studie im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2004.2940).

Die Wissenschaftler teilten ihre Testvögel in drei Gruppen auf und verteilten sie auf unterschiedliche Räume. In einem Raum zeichneten die Forscher immer wieder Fragmente des Gesangs der männlichen Tiere auf, und spielten sie sowohl den Vogelpaaren in diesem Raum als auch denen in einem zweiten Raum vor. Die Vögel im dritten Raum dienten der Kontrolle und bekamen kein zusätzliches Gezwitscher zu hören. Während der 60 Tage dauernden Studie überprüften die Wissenschaftler täglich, ob und wie viele Eier die Weibchen abgelegt hatten.

Die Männchen, die die zusätzlichen Stimmen zu hören bekamen, sangen als Reaktion auf den vorgespielten Gesang deutlich mehr als die Männchen der Testkolonie. Auch die Weibchen ließen sich von der verstärkten Geräuschkulisse animieren: Hörten sie den Gesang einer fremden Kolonie, begannen sie im Durchschnitt sechs Tage früher mit der Eiablage als die Kontrollgruppe. Gezwitscher aus der eigenen Gruppe verlegte den Brutbeginn dagegen nur minimal nach vorne. Es erhöhte jedoch genau wie der Gesang aus der fremden Gruppe die Anzahl der abgelegten Eier und die Übereinstimmung der Ablagezeitpunkte.

Die Ergebnisse seien der erste direkte Beweis für die so genannte Theorie der sozialen Stimulation, schreiben die Forscher. Darin wird postuliert, dass Anwesenheit und Aktivitäten der Nachbarn den weiblichen Organismus beeinflussen und dadurch die Eiablage beschleunigen und synchronisieren. Je besser die Brutzeit dabei übereinstimmt, desto mehr Vorteile haben die Kolonien. So entgehen sie beispielsweise Angriffen von nicht brütenden Nachbarn, und die Jungen können sich gegenseitig helfen, vielversprechende Futterplätze zu finden.

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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