Fische auf dem Trocknen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Fische auf dem Trocknen

Es war eine langsame Eroberung. Schon bevor die Ahnen der Amphibien vor 365 Millionen Jahren das Land eroberten, besaßen sie Beine. Paläontologen schließen daraus, daß der Weg vom Wasser ans Land sehr lange dauerte.

Die zoologischen Lehrbücher sind sich einig: Im Ober-Devon robbten die Vorfahren der vierfüßigen Wirbeltiere auf vier gestielten, muskulösen und merkwürdig quastenartigen Flossen aus dem Wasser ans Ufer und schließlich übers Land. Die Gewässer waren ausgetrocknet, und die Tiere mußten sich aufs Land begeben, um neue Lebensräume zu erobern.

Doch so ist es wahrscheinlich nicht gewesen. Gleich mehrere molekulargenetische Studien zeigen, daß die Tetrapoden – die an Land lebenden Wirbeltiere mit vier Gliedmaßen – nicht von den Quastenflossern abstammen. Vielmehr dürfte der heute noch in Südamerika, Afrika und Australien lebende Lungenfisch der Urahn von Amphibien, Reptilien, Vögeln, Säugetieren sein – und damit auch von uns Menschen.

Jüngste Fossilienfunde in Lettland zeigen, daß der Übergang von Fischen zu Amphibien ein rund 9 bis 14 Millionen Jahre währender allmählicher Prozeß war. Der Weg ans Land bestand also aus vielen kleinen Schritten – wie es Charles Darwin in seiner gradualistischen Evolutionstheorie schon vor 150 Jahren postuliert hatte.

Kronzeuge der Paläontologen ist ein Fisch namens Panderichthys. Seine rund 365 Millionen Jahre alten Knochen sind eine Mixtur aus urzeitlichen, fischähnlichen und Wirbeltier-Merkmalen. Die Entwicklung seines Schädels und seiner Gliedmaßen erfolgte offensichtlich nicht synchron, sondern muß sich nach Schätzungen der Paläontologen über rund 10 Millionen Jahre hingezogen haben. „Die evolutiven Mechanismen, die wir seit Darwin kennen, reichen vollkommen aus, um die Wandlung der Fische zu Amphibien zu erklären“, kommentiert der renommierte Wirbeltier-Paläontologe Dr. Robert Carroll von der McGill Universität in Montreal die jüngsten Funde.

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Auch ein anderes Fossil, das in Grönland gefunden wurde, bestätigt das Szenario. Das Ur-Amphibium Acanthostega belegt, daß sich die typischen vier Gliedmaßen der Landtiere bereits im Wasser entwickelt haben. Die ersten Landgänger robbten demnach nicht auf quastigen Fischflossen ans Land. Vielmehr standen sie bereits mit vier beinartigen Gliedmaflen auf dem mit Wasserpflanzen bewachsenen Sumpfboden. Die Rekonstruktion der Vorder- und Hinterhand Acanthostegas ergab, daß dessen Knochen den schweren Körper auf dem Trockenen nicht hätten tragen können. Zudem atmete das Amphibium noch über Kiemen und nicht über Lungen. Acanthostega war also ein Wassertier mit vier Beinen.

Die Fortbewegung per Flossenschlag war demnach schon für Acanthostega Geschichte. Doch erst der ein Meter lange Riesenlurch Ichthyostega entwickelte stämmigere Beine und einen kräftigeren Körperbau, der es ihm erlaubte, sich zur Fortpflanzung an Land zu wuchten.

Matthias Glaubrecht
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