Fleischfressende Pflanze schnappt sich auch Vegetarisches - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Fleischfressende Pflanze schnappt sich auch Vegetarisches

15-01-12 Wasserschlauch.jpg
Falle des Südlichen Wasserschlauchs (Utricularia australis) mit einem toten Wasserfloh (A) und einer gefangenen Zieralge (B; Pleurotaenium sp.) Copyright: Universität Wien
Grüner Hunger auf Fleisch: Die sogenannten Karnivoren sind berühmt für ihre Vorliebe für tierische Kost. Doch offenbar gibt es unter den fleischfressenden Pflanzen auch einen Vertreter, der vegetarische Beilagen schätzt, berichten Forscher: Der Wasserschlauch, fängt mit seinem raffinierten Fallensystem demnach nicht nur kleine Wassertiere, sondern auch Algen und Blütenpollen ein, um sein Nahrungsspektrum zu bereichern.

Tiere fressen Pflanzen – doch es geht auch umgekehrt: Etwa 600 Pflanzenarten aus 18 Gattungen haben den Spieß umgedreht. Mit teils spektakulären Strategien machen sie Jagd auf Insekten und andere Beutetiere. So können sie die Nährstoffknappheit in ihren Lebensräumen ausgleichen – Beute wirkt auf diese Pflanzen wie eine Art Düngetablette. Das gilt auch für den Wasserschlauch. Es handelt sich um die größte Gattung unter den Karnivoren: Über 200 Arten sind bekannt. Auch in Europa stellen die skurrilen Wasserpflanzen in Seen und Tümpeln ihre Fallen auf.

Es handelt sich dabei um blasenförmiger Fangorgane, in denen sich Unterdruck bildet. Bei der kleinsten Berührung öffnet sich eine Klappe, wodurch Wasser in die Falle strömt und kleine Organismen mit sich reißt. Nach kaum drei Millisekunden schließt sich die Tür wieder und die Beute wird nun von Verdauungsflüssigkeit langsam aufgelöst – so kann sich die Pflanze die Nährstoffe einverleiben.

Raffinierte Fallen für ausgewogen Kost

Es war bereits bekannt, dass in den Fallen nicht nur Wassertierchen enden, sondern auch Algen und Pollenkörner eingesaugt werden. Bisher ging man allerdings davon aus, dass es sich dabei um nutzlosen Beifang handelt. Die Forscher um Marianne Koller-Peroutka und Wolfram Adlassnig von der Universität Wien konnten nun allerdings belegen, dass das nicht der Fall ist. Sie verglichen dazu das Ausmaß der gefangenen vegetarischen Kost mit dem Wachstum der jeweiligen Pflanze und mit der Bildung von Überwinterungsknospen.

Es zeigte sich: Utricularia-Exemplare, die viele Algen und Pollenkörner gefangen haben, bilden mehr Biomasse aus und wirken generell kräftiger. Pflanzen mit einer vielseitigen Ernährung – die sowohl Algen als auch Pollen und Tiere gefangen hatten – wiesen den besten Allgemeinzustand auf, zeigten die Untersuchungen. Man kann daher annehmen, dass die Pflanzen manche Nährstoffe, etwa Stickstoff, vor allem aus Tieren, andere – wie Spurenelemente – hingegen bevorzugt aus Algen oder Pollenkörnern beziehen.

Anzeige

Meist ist Fleisch eher Beilage

Die Analyse von über 2.000 Fallen ergab, dass nur knapp zehn Prozent der gefangenen Objekte Tiere sind, 50 Prozent aber Algen. In nährstoffarmen Gewässern, wie beispielsweise Moorseen, überwiegt der Fang von Algen ganz besonders, berichten die Forscher. Mehr als ein Drittel der Beute bestand zudem aus Pollen von Bäumen, die am Ufer wuchsen und deren Blütenstaub ins Wasser fiel.

Durch die Fähigkeit, Organismen aller Art zu fangen und zu verwerten, kann der Wasserschlauch auch Gewässer besiedeln, in denen Tiere selten sind – wo allein die Fähigkeit zum Tierfang nur von geringem Nutzen wäre, sagen die Forscher. Auch für den Wasserschlauch gilt also: Eine ausgewogene Ernährung ist ideal.

Quelle:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Lein|kraut  〈n. 12u; unz.; Bot.〉 Angehöriges einer Gattung der Rachenblütler mit gespornten Blüten: Linaria; Sy Flachskraut ... mehr

ver|tei|len  〈V. t.; hat〉 etwas ~ 1 austeilen, jedem einen Teil von etwas geben 2 hierhin u. dorthin stellen od. legen ... mehr

Nu|tri|ti|on  auch:  Nut|ri|ti|on  〈f. 20; unz.; Med.〉 Ernährung ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige