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Umwelt+Natur

Fliegen mit Kater

Fruchtfliegen verdanken es einem Gen namens „Hangover“, dass sie mit der Zeit immer mehr Alkohol vertragen können. Diese steigende Resistenz gegenüber Alkohol, die zum Konsum von immer größeren Mengen führt, gilt als Schlüsselfaktor beim Entstehen der Alkoholabhängigkeit. Fehlt den Insekten dagegen das Gen, dessen Name übersetzt „Kater“ bedeutet, leiden sie nicht nur stärker unter den Folgen des Alkohols, sondern reagieren auch empfindlicher auf äußeren Stress wie Hitze oder giftige Substanzen. „Hangover“ scheint daher eine generelle Rolle im Umgang des Körpers mit Stress zu spielen, erklärt ein Forscherteam von der Universität Würzburg. Sie vermuten, dass es auch beim Menschen einen ähnlichen Mechanismus gibt.

Schon geringe Mengen an Alkohol wie etwa 0,3 Liter Bier haben Auswirkungen auf Nervensystem und Gehirn, die beispielsweise in langsameren Reaktionszeiten resultieren. 50 Gramm Alkohol am Tag ? eine Menge, die in einem halben Liter Wein enthalten ist ? können bereits bleibende Schäden hinterlassen, wie das Absterben Tausender von Gehirnzellen. Statistiken zufolge sind Alkohol und alkoholbedingte Krankheiten wie Leberzirrhosen und Herzerkrankungen weltweit für vier Prozent aller Todesfälle verantwortlich.

Das Team um Henrike Scholz interessierte sich nun dafür, wie Alkoholtoleranz und später Abhängigkeit entstehen. Ihr Untersuchungsobjekt war das Haustier der Genetiker, die Taufliege Drosophila, die auf Alkohol ? ähnlich wie der Mensch ? mit Hyperaktivität und unkontrollierten Bewegungen reagiert. Werden die Fliegen jedoch mehrmals Alkoholdämpfen ausgesetzt, vertragen sie bereits beim zweiten Mal deutlich mehr Alkohol als bei der ersten Bedampfung.

Auf der Suche nach Genen, die für diese Toleranzentwicklung notwendig sind, stießen die Forscher auf „Hangover“. Fliegen, denen dieses Gen fehlt, sind zum einen Alkohol gegenüber deutlich empfindlicher und zeigen keine steigende Toleranz. Zum anderen sterben die veränderten Insekten schneller, wenn sie großer Hitze oder dem hochgiftigen Herbizid Paraquat ausgesetzt werden. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass „Hangover“ generell wichtig ist, wenn es um die Bewältigung von Umweltstress geht.

Ein ähnlicher Mechanismus könnte auch beim Menschen ablaufen, erklären die Forscher. So gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass Stress sowohl auf zellulärer als auch auf körperlicher Ebene zum Suchtverhalten beitragen kann ? ein Mechanismus, der unter den Lebewesen weit verbreitet zu sein scheint. Die Forscher sind daher zuversichtlich, dass Fruchtfliegen sich auch für weitere Studien der Alkoholabhängigkeit als nützlich erweisen werden.

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Henrike Scholz (Universität Würzurg) et al.: Nature, Bd. 436, S. 845

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann
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