Friert ein Baumstamm im Winter durch? - wissenschaft.de
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Nachgefragt Umwelt+Natur

Friert ein Baumstamm im Winter durch?

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Wie schützen sich Bäume vor der Kälte? (Foto: MykolaIvashchenko/iStock)
Wenn der Winter die Temperaturen in die Minusgrade treibt, zeigt sich Wasser bekanntlich von seiner harten Seite – sogar die dicke Wassertonne im Garten friert komplett durch. Während der Mensch die Vorzüge der Zentralheizung genießt und viele Tiere sich mit einem dicken Pelz vor dem Frost schützen, scheint die Bäume hingegen nichts warm zu halten. Bedeutet das, dass ihr Stamm bei Frost von Eis durchzogen ist? Auf dieses Thema hat uns Günter T. aufmerksam gemacht – vielen Dank dafür.

„Baumstämme frieren nicht durch, denn sie enthalten gar nicht so viel Wasser“, sagt Heike Bohne vom Institut für Zierpflanzen- und Gehölzwissenschaften der Leibniz Universität in Hannover. Ein Baumstamm ist aus verschiedenen Schichten aufgebaut, von denen nur die Leitgewebe und das sogenannte Kambium mit Pflanzensaft gefüllt sind. Sie sind die lebenden Anteile des Baumstammes und bilden eine dünne Schicht unter der Rinde. Hier findet auch das Dickenwachstum des Baumes statt: Zellen im Kambium bilden nach innen Holz und nach außen Bast, das im Verlauf der Zeit zur Borke wird. „Diese verholzten Teile enthalten nur wenig Feuchtigkeit – hier bildet sich also auch kein Eis“, sagt Bohne.

Schutz für die lebendigen Anteile

Schützen muss der Baum hingegen sein lebendes Gewebe. Die Borke wirkt dabei wie ein Mantel für den Baum, erklärt die Expertin: „Sie besitzt viele Lufteinschlüsse und bildet dadurch eine Wärmedämmung“. Ein wichtiger Aspekt ist außerdem, dass Baumarten, die kalte Winter überstehen müssen, eine Art Frostschutzmittel besitzen, betont Bohne. Bestimmte Zuckerverbindungen und Eiweißstoffe im Zellsaft senken den Gefrierpunkt, sodass sich keine zerstörerischen Eiskristalle bilden. „Das ist von Baumart zu Baumart unterschiedlich“, erklärt die Expertin, „auch diese Eigenschaften machen sie mehr oder weniger winterhart“.

Das Kambium und die Leitgewebe sind die Teile des Baumes, die vom Frost bedroht werden: „Wenn Zellsaft gefriert, dann zerstören die Eiskristalle die Gewebestrukturen – so entstehen Frostschäden“, sagt Bohne. Das muss der Baum also verhindern. Je dünner und jünger Pflanzenteile sind, desto mehr sind sie von Frost bedroht, denn sie enthalten mehr Wasser und sind schlechter isoliert. Das gilt besonders für die Knospen im Frühjahr. „Ein Teil des Abhärtungsvorgangs im Herbst und frühen Winter beruht darauf, dass die Wassergehalte abnehmen“, erklärt die Expertin. Oft sind es deshalb auch gar nicht die Frostperioden mitten im Winter, sondern die Früh- oder Spätfröste, die den Pflanzen zu schaffen machen, denn in diesen Zeiten sind ihre Schutzmechanismen nicht voll aktiviert.

© wissenschaft.de – Martin Vieweg / dapd
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