Fromms «Kunst des Liebens» prägte zigtausende «Beziehungskisten» - wissenschaft.de
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Fromms «Kunst des Liebens» prägte zigtausende «Beziehungskisten»

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Frankfurt/Main (dpa) – Sein Bestseller «Die Kunst des Liebens» begleitete fast eine ganze Generation bei ihren ersten Beziehungabenteuern. Erich Fromm stand in den 70er Jahren aber auch für die Ökologie- und die Friedensbewegung. Einige sahen in dem Psychoanalytiker, Humanisten und Sozialphilosophen einen «radikalen Moralisten», andere den «Weisen vom Lago Maggiore». An dem See, im schweizerischen Tessin-Ort Muralto, ist er am 18. März vor 20 Jahren gestorben – wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag. Der jährt sich am 23. März zum 100. Mal. Fromms Geburtsstadt Frankfurt feiert ihren berühmten Sohn an diesem Tag mit einem Festakt und einer Ausstellung über sein Leben und Werk im Museum Judengasse.

Einen Namen machte sich der promovierte Soziologe und Psychologe schon 1929 bis 1932 als Privatdozent an Max Horkheimers Institut für Sozialforschung. Wie groß sein Anteil an der Entdeckung des «Autoritären Charakters» und der «Kritischen Theorie» der Frankfurter Schule war, ist in der Fachwelt umstritten. Vor den Nazis flüchtete das einzige Kind orthodox-jüdischer Eltern kurz nach der Machtübernahme Hitlers ins Exil in die USA. Dort war Fromm bis in die 60er Jahre ein gefragter Professor an den Universitäten zwischen New York und Mexiko Stadt.

Zwei grundlegende Eckpfeiler seines Denkens waren Freuds Lehre und der Marxismus. «Marx ist und bleibt eine der wichtigsten Quellen meiner Einsicht und auch meiner Inspiration», resümierte er kurz vor seinem Tod. «Freud hat mir eine neue Welt eröffnet.» Dennoch rückte Fromm nicht nur von dem Wiener Altmeister, sondern auch von Marx ab. Prägend für das Denken des Atheisten und Religionskritikers waren auch Juden-, Christentum und der Buddhismus.

Schon Ende der 30er Jahre gab Fromm wesentliche Grundannahmen Freuds wie die Triebtheorie auf und entwickelte seinen eigenen Ansatz, bei dem gesellschaftliche und kulturelle Konstellationen ein stärkeres Gewicht hatten. Die Berliner Wissenschaftshistorikerin für Psychologie, Elke Mühlleitner, spricht von einem «eher humanistischen Ansatz», der das Verhältnis Therapeut-Klient weniger hierarchisch sah als Freud. 1943 gründete Fromm ein eigenes Ausbildungsinstitut in New York.

«Wir Psychoanalytiker der zweiten Generation stehen auf Freuds Schultern – und darum sehen wir weiter», beschrieb Fromm sein Verhältnis zu Freud. Trotz seiner Distanz zur klassischen Analyse hätten die Bücher des populären Therapeuten jedoch dazu beigetragen, zunächst die amerikanische und später die europäische Öffentlichkeit für die Psychoanalyse als therapeutische Methode zu sensibilisieren, sagt Expertin Mühlleitner.

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Als Hauptantrieb seines Denkens nannte Fromm selbst die Frage: «Wie ist es möglich, dass die Menschen als Masse so irrational handeln und so leicht verführt werden können?». Seine politische Orientierung bezeichnete er als «sozialistischen Humanismus», sich selbst als «demokratischen Sozialisten».

Nicht nur «Die Kunst des Liebens» (1956), sondern auch das Alterswerk des dreifachen Ehemanns «Haben oder Sein» (1976) wurden zu viel gelesenen Kultbüchern. Seine Themen wie beispielsweise Entfremdung und Glück, äußere Unruhe und innere Zufriedenheit fanden vor allem bei jungen Leuten großen Anklang. Die Erich Fromm Gesellschaft (Tübingen) schätzt die Gesamtauflage seiner rund 40 Titel auf mehr als 50 Millionen Exemplare.

Ira Schaible, dpa
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