Fruchtbarkeitsschub aus dem Skelett - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Fruchtbarkeitsschub aus dem Skelett

Die Knochen sind entscheidend für die männliche Fruchtbarkeit. Das haben US-amerikanische Forscher jetzt bei Mäusen entdeckt. Es gelang ihnen auch, den verantwortlichen Signalstoff zu identifizieren: Es handelt sich um ein Hormon namens Osteocalcin, das in den Knochen produziert wird. Damit gibt es offenbar eine echte, wechselseitige Interaktion zwischen Knochen und männlichen Keimdrüsen, also den Hoden, sagen die Wissenschaftler: Es war bereits bekannt, dass die Keimdrüsen die Knochenbildung beeinflussen können. Dass die Knochen aber auch umgekehrt auf die Keimdrüsen einwirken können, ist dagegen völlig neu. Da Osteocalcin auch im Menschen vorkommt, könnte jedoch so mancher Fall von männlicher Unfruchtbarkeit seinen Ursprung in den Knochen haben, spekulieren Gerard Karsenty und seine Kollegen.

„Da die Kommunikation zwischen zwei Körperteilen selten eine Einbahnstraße ist, wirft die Tatsache, dass die Keimdrüsen die Knochen regulieren, die Frage auf: Regulieren umgekehrt auch die Knochen die Gonaden?“, erklärt Karsenty den Anstoß zu seinen Nachforschungen. In vorangegangenen Studien hatten er und seine Kollegen bereits zeigen können, dass sich die Knochen bei Mäusen günstig auf den Blutzuckerspiegel und die Fettverbrennung auswirken. Diese Funktionen werden von einem Hormon gesteuert, das in den Zellen gebildet wird, die für die Knochenbildung zuständig sind – den sogenannten Osteoblasten. Identifiziert wurde es kurz darauf als Osteocalcin, das bei den meisten Wirbeltieren vorkommt.

Um nun zu untersuchen, ob Osteocalcin auch einen Einfluss auf die Gonaden, also die Eierstöcke und die Hoden hat, untersuchten die Forscher sowohl Mäuse als auch diverse Zellkulturen. Das Ergebnis: Männliche Mäuse, die unter Osteocalcin-Mangel litten, produzierten weniger vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron, das einen großen Einfluss auf die Fruchtbarkeit der Tiere hat. Dementsprechend sank die Anzahl ihrer Spermien, und die Mäuse zeugten auch weniger Nachkommen. Umgekehrt waren männliche Mäuse mit Osteocalcin-Überschuss besonders fruchtbar. Das Knochen-Hormon wirkt dabei offenbar direkt auf die Zellen im Hoden ein, die das Testosteron produzieren, denn diese besitzen eine maßgeschneiderte Andockstelle für Osteocalcin, konnten die Wissenschaftler nachweisen.

Interessanterweise hatte das Osteocalcin keinen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von weiblichen Mäusen. Das fanden die Wissenschaftler umso bemerkenswerter, als dass umgekehrt der Einfluss der weiblichen Geschlechtshormone und damit der Keimdrüsen bei weiblichen Tieren und bei Frauen stärker ist als bei Männern: Sinkt mit der Menopause nämlich der Östrogenspiegel im Blut, sinkt auch die Knochendichte und damit steigt das Risiko für eine Osteoporose.

Da das Hormon Osteocalcin auch im menschlichen Körper verkommt, vermuten Karsenty und seine Kollegen, dass einige Formen von Unfruchtbarkeit bei Männern auf einen Osteocalcin-Mangel zurückzuführen sein könnten. Da sie den Angriffspunkt des Hormons identifizieren konnten, ließe sich dieser Zusammenhang zum einen leicht nachprüfen. Zum anderen stünden dadurch auch die Chancen relativ gut, einen Wirkstoff zu finden, der in diesen Prozess eingreifen und die Fruchtbarkeit wiederherstellen könnte, glauben die Wissenschaftler.

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Gerard Karsenty (Columbia University, New York) et al: Cell, Online-Vorabveröffentlichung vom 17. Februar dapd/wissenschaft.de – Anke Biester
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Atomkraftwerke werden in der öffentlichen Meinung immer mal wieder gerne mit Krebs und im speziellen mit Leukämie in Verbindung gebracht. Es gibt vernünftige Studien zu dem Thema und diese basieren auf den Daten des DKKR, des Deutschen Kinderkrebsregisters. Dies hat vor allem zwei Gründe, denn erstens ist es eine inhärente Aufgabe des DKKR statistische Häufungen von Krebsfällen zu erkennen um somit die Bevölkerung zu schützen und zum anderen gibt es keine vergleichsweise zentrale Einrichtung für erwachsene Menschen in Deutschland.

Am meisten Resonanz hat die KIKK-Studie des Bundesamts für Strahlenschutz von 2007/8 in der Bevölkerung ausgelöst und sie wird bis heute gerne sowohl von Atomkraftgegenern, als auch von Befürwortern zitiert. Diese scheinbar paradoxe Situation liegt vor allem daran, dass das Ergebnis der Studie nicht wirklich klar und eindeutig ist und daher verschiedene Interpretationen zulässt. “Klar und eindeutig” ist hier allerdings in politischen Sinne zu verstehen, denn die wissenschaftliche Aussage ist schon klar, lässt aber eben verschiedenen Interpretationen zu.

Aus den Zahlen des DKKR wurden 1.592 an Krebs erkrankte Kinder und 4.735 gesunde Kinder (unter 5 Jahren) bzgl. ihres Wohnortes untersucht und eine entsprechend signifikante Zahl an Fragebögen wurde an die Eltern verschickt. Bei der Auswertung ist dann herausgekommen, dass es eine statistisch bedeutende Korrelation zwischen einem Wohnort nahe an einem Kernkraftwerk  (5km) und einem (um ca. das doppelte) erhöhten Leukämierisiko gibt. Diese Meinung wird z.B. auch von Greenpeace geteilt, die in allen ihren Interpretationen eben von einem maximal doppelt so hohen Leukämierisiko ausgehen.

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Wie ich in einem vorherigen Artikel zu dem Thema schon geschrieben habe finde ich das extrem wichtig, denn die Interpretation von Greenpeace kann man mit Fug und Recht als WorstCase Szenario (für die betroffenen Menschen) ansehen. Falls die Studien eine Interpretation mit einem höheren Risiko zulassen würde, dann hätte Greenpeace sicherlich diese höheren Zahlen benutzt und nicht nur vom doppelten Risiko gesprochen. Darüber hinaus gesteht Greenpeace auch ein, dass die Interpretation nicht eindeutig ist und das man eben nicht mit 100%tiger Sicherheit sagen kann, dass dieses doppelte Risiko von den Kernkraftwerken her kommt. OK, was ist denn jetzt damit gemeint?

Grundsätzlich gilt Korrelation ist nicht gleich Kausalität. Nur weil das Risiko für Kinder in der Nähe von AKWs Leukämie zu bekommen erhöht ist, heißt das noch lange nicht, dass die AKWs der Auslöser für diesen Krebs sind. Um von der Korrelation zur Kausalität zu kommen braucht man im wissenschaftlichen Sinne noch ein zweites Kriterium … einen plausiblen, nachweisbaren Wirkmechanismus. Der sollte in diesem Fall eigentlich recht einfach sein, denn ionisierende Strahlung verursacht erwiesenermaßen Krebs/Leukämie. Allerdings wird gerade in der Nähe von Atomkraftwerken ionisierende Strahlung sehr gut überwacht und die Überwachung ergab eben keine erhöhte Strahlung in der Nähe der AKWs.

Dies kann nun auf viele verschiedenen Arten interpretiert werden, von denen ich hier mal ein paar exemplarisch wiedergeben möchte.

  • Die Messdaten der ionisierenden Strahlung sind falsch. Der Grund hierfür kann jetzt sehr unterschiedlich sein.
    • Die Atomlobby hat die Daten gefälscht um keine Strafen zahlen zu müssen.
    • Die Messtation zeigen nur Gamma-Strahlung an. Somit würden inkorporierte Alpha und weiche Beta Strahler, die von den AKWs ausgehen nicht registriert werden.
    • Die ursächliche ioniserende Strahlung ist so gering, dass sie (von den Messtationen) nicht richtig gemessen werden kann.
  • Es gibt einen anderen Grund für die erhöhte Leukämierate
    • Hochspannungsleitungen
    • bestimmte Chemikalien, die in den Gebieten, in denen die AKWs stehen, öfter eingesetzt werden, als in anderen Gegenden z.B. Holzschutzfarbe.
    • sozialökonomische Gründe, wie z.B. Ernährung oder Stress

Alle diese Gründe sind, von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, gleichwertig und die Studie kann leider keine dieser Möglichkeiten ausschließen.

Des weiteren hat die Studie einige Schwachpunkte, die ebenfalls noch weiter dazu beitragen, dass die Ergebnisse nicht eindeutig interpretiert werden können. Der Rücklauf der Fragebögen von den angeschriebenen Eltern war relativ gering. Dadurch ist der Fehler in der Statistik, die sich auf die Fragebögen stützen, verhältnismäßig hoch und damit der Interpretationsraum entsprechend groß. Zusätzlich stützt sich die Auswertung primär auf die Einträge im DKK-Register, was zwar generell eine Lokalisierung des Wohnortes auf 250 Meter Genauigkeit erlaubt, aber gerade bei “unförmigen” Kreisen und Kreisfreien Städten zu größeren Ungenauigkeiten führt. Darüber hinaus ist die absolute Zahl an Fällen so gering, dass nicht zwischen einzelnen AKWs unterschieden werden kann, sondern pauschal für alle 16 untersuchten AKWs gerechnet werden muss. Unter diesen 16 AKWs ist auch das AKW Krümmel, das eine deutlich höhere Zahl als andere AKWs aufweist, aber wegen der geringen Statistik nicht herausgerechnet werden kann.

Web|log  〈m. 6 od. n. 15; IT〉 1 〈urspr.〉 Archiv aller Aktivitäten auf einem Webserver 2 regelmäßig aktualisiertes, im Internet öffentlich zugängliches Tagebuch; ... mehr

Schar|lach  〈m. 1; unz.〉 1 leuchtend rote Farbe 2 〈Med.〉 meldepflichtige, fieberhafte Infektionskrankheit mit rotem, fleckigem Ausschlag ... mehr

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