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Früher Blick ins Vergessen

Mit einem neuen Verfahren kann Alzheimer schon Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome diagnostiziert werden: Amerikanische Forscher haben eine Software entwickelt, die anhand von Gehirnscans eine Abnahme der Stoffwechselaktivität in einem bestimmten Hirnareal identifizieren kann. Dieser Aktivitätsverlust im Hippocampus, einer für Lernen und Erinnerungen zuständigen Gehirnregion, gilt als frühestes Zeichen einer sich entwickelnden Alzheimerschen Krankheit.

Um Informationen über die Aktivität des Gehirns zu erhalten, wird häufig die so genannte Positronen-Emissions-Tomographie (PET) verwendet. Mithilfe von schwach radioaktiv markiertem Traubenzucker ist es dabei möglich, dem Gehirn sozusagen bei der Arbeit zuzusehen: Je aktiver ein Areal ist, desto mehr wird dort umgesetzt. Den Hippocampus, eine kleine, seepferdchenförmige Hirnregion, auf einem solchen PET-Scan zu identifizieren, ist allerdings schwierig und war für Maschinen bislang so gut wie unmöglich ? nicht zuletzt deswegen, weil sich Form und Lage des Areals von Patient zu Patient unterscheiden.

Aus diesem Grund entwickelten Lisa Mosconi und ihre Kollegen die Software namens „HipMask“, eine Art allgemeingültige Hippocampus-Schablone. Damit gelang es ihnen, den Hippocampus computergestützt zu lokalisieren und seine Aktivität zu bestimmen. Die Ergebnisse dieser Analysen seien sehr zuverlässig gewesen, berichteten die Forscher. So bestimmten sie beispielsweise auf PET-Scans von 53 Patienten, die zum Aufnahmezeitpunkt augenscheinlich gesund waren, die Hippocampus-Aktivität. Bei 25 der Probanden lag die Stoffwechselrate um 15 bis 40 Prozent niedriger als der Durchschnitt ? und genau diese Patienten entwickelten Jahre später tatsächlich die ersten Symptome einer so genannten kognitiven Störung, die als Vorstufe von Alzheimer gilt.

„Momentan können wir mit großer Genauigkeit bis zu neun Jahre vor dem Einsetzen der ersten Symptome zeigen, wer Alzheimer entwickeln wird“, erklärte Mony de Leon, Senior-Autor der Studie. Mithilfe dieses Werkzeugs hoffen die Forscher nun, mehr über den frühen Verlauf der Krankheit zu erfahren und möglicherweise früher als bisher Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Dazu müssen die Ergebnisse jedoch in weiteren Studien überprüft werden.

Lisa Mosconi (New York University) et al.: Beitrag auf einer Konferenz der amerikanischen Alzheimer-Gesellschaft, Washington.

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