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Für kleine Kinder klingt Musik in Moll nicht unbedingt traurig

Das Verständnis für die „Sprache der Musik“ muss sich offenbar ähnlich entwickeln wie das Verständnis für Sprache überhaupt. Wie ein Dreijähriger noch nicht die mitschwingenden Bedeutungen von vielen Wörtern auseinanderhalten kann, versteht er auch die emotionale Botschaft der Musik nicht, berichten Wissenschaftler der University of Montreal nach Angaben von „Nature “ in einer kommenden Ausgabe des Fachmagazins „Cognition“.

Die Forscher um Simone Dalla Bella verglichen drei- bis achtjährige Kinder in ihrem Musikverständnis. Hierzu arrangierten sie bekannte klassische Stücke neu. Sie machten langsame Stücke schnell, schnelle Stücke langsam, wandelten Dur in Moll und Moll in Dur.

Vor dem fünften bis sechsten Lebensjahr, so zeigte sich, können Kinder einen Wechsel von Dur zu Moll oder umgekehrt nicht deuten. Die emotionale Botschaft der Tonarten kommt nicht an. Ob eine Musik traurig oder fröhlich ist, bestimmen kleine Kinder allein nach dem Tempo: Schnelle Musik ist für sie immer fröhlich, langsame traurig. So kann ein Dreijähriger die Ouvertüre „Wilhelm Tell“ und Chopins „Trauermarsch“ für gleichermaßen fröhlich halten.

Erst ab etwa sechs Jahren können Kinder erfassen, dass Musik trauriger klingt, wenn sie in Moll gesetzt ist.

Diese Erkenntnisse legen den Schluss nahe, dass das Musikverständnis nicht nur eine Frage von Kultur und Erziehung ist, wie man noch bis vor kurzem glaubte, sondern dass unser Gehirn sein eigenes Musikverständnis-Lernprogramm hat, so die Forscher.

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Joris Maling
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