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Galapagos: Zahl eingeschleppter Arten verzehnfacht

Galapagos
Hafen der Insel San Cristobal in den Galapagos. (Bild: Inti Keith/Charles Darwin Foundation)

Die Galapagos-Inseln sind ein Naturparadies und gehören zum Weltnaturerbe der Unesco. Doch die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt dieser Inseln ist offenbar stärker bedroht als bisher gedacht: Im Meer rund um die Galapagos-Inseln haben Forscher mehr als 50 neu eingeschleppte Wirbellosen-Arten aufgespürt. Dies sei die größte Schwemme fremder Spezies, die man je im einem tropischen Meeresgebiet entdeckt habe – und eine potenzielle Bedrohung, so die Biologen.

Über die Fauna und Flora der Galapagos-Inseln im Pazifik staunte schon Charles Darwin. Die verschiedenen Arten von Darwinfinken auf diesen Inseln gaben ihm den Anstoß für seine berühmte Theorie zur Entstehung der Arten. Und auch andere Tier- und Pflanzenarten auf diesem Archipel sind weltweit einzigartig.

Fahndung nach marinen Bioinvasoren

Zwar stehen die Galapagos-Inseln und das sie umgebende Meer heute unter Naturschutz, doch sie drohen Opfer ihrer Berühmtheit zu werden. Jedes Jahr besucht fast eine Viertelmillion Touristen die pazifische Inselgruppe, mehr als 25.000 Menschen leben dort permanent. Als Folge hat sich auch der Schiffsverkehr im Archipel enorm verstärkt und dies birgt das Risiko in sich, ungewollt fremde Arten am Schiffsrumpf oder im Ballastwasser einzuschleppen. Schon mehrere Studien haben in den letzten Jahren belegt, dass tropische Inseln und Hafengebiete in besonderem Maße durch Bioinvasoren bedroht sind.

Um dies zu verhindern, haben die Galapagos schon eines der strengsten Biosicherheitsprogramme weltweit: Schiffe aus internationalen Gewässern dürfen nur in einem der Häfen ankern und ihr Rumpf wird von Tauchern auf Bewuchs mit fremden Arten abgesucht. Ob dies etwas gebracht hat, hat nun ein internationales Forscherteam unter Leitung von James Carlton vom Williams College in Connecticut untersucht. Für ihre Studie werten die Forscher Daten früherer Untersuchungen aus und führten zusätzlich eigene Erhebungen mittels Proben aus dem Meer, dem Meeresgrund, von Schwemmholz und dem Strand. Mit Testplatten erfassten sie zudem die Aufwuchsorganismen im Meer um zwei Galapagosinseln. Sie konzentrierten sich dabei primär auf wirbellose Meerestiere.

53 eingeschleppte Wirbellosen-Spezies

Das Ergebnis: „Wir haben 53 neu eingeführte marine Invertebraten-Spezies nachgewiesen – das ist das Zehnfache dessen, was zuvor an nichtheimischen Arten hier bekannt war“, berichtet Carlton. „Dies entspricht der größten bisher bekannten Zunahme an fremden Arten in tropischen Meeresregionen weltweit.“ Unter den neu identifizierten Spezies sind sowohl Borstenwürmer und Mollusken, als auch Quallen, Moostierchen, Insekten und Krebstiere. „Die meisten dieser Arten wurden in der Gezeitenzone auf den Oberflächen von Werftanlagen und Docks gefunden oder in untergetauchtem Holz“, so die Forscher.

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Die Wissenschaftler schätzen, dass mehr als 90 Prozent der in das Galapagos-Gebiet eingeschleppten Arten per Schiff gekommen sind – teilweise als Aufwuchs am Schiffsrumpf, teilweise im Ballastwasser. Etwa ein Drittel stammt dabei aus dem Atlantik, ein weiteres aus dem Westpazifik oder Indischen Ozean. Bei den restlichen Arten ist die Herkunft noch unklar. „Auch die Ankunftsdaten fast aller 53 Neuankömmlinge sind bisher nicht bekannt“, berichten Carlton und sein Team. Das zeitliche Muster der Kolonisierung der Inseln durch diese Arten sei daher schwer zu rekonstruieren.

Nur die Spitze eines Eisbergs

Doch selbst diese relativ große Zahl von neu eingeschleppten Arten könnte nur die Spitze eines noch weit größeren „Eisbergs“ sein. Denn ihre Studie war auf nur wenige Habitattypen und die Küstengebiete von zwei Inseln beschränkt. „Wir erwarten daher, dass die Zahl signifikant steigen wird, wenn die Erhebungen weitergehen“, so die Forscher. „Zudem steht schon eine ganze Reihe von potenziellen Bioinvasoren quasi vor den Toren.“ Zu diesen gehören mehrere invasive Korallenarten, die sich entlang der südamerikanischen Küste ausbreiten, aber auch der Atlantische Skelettkrebs (Paracaprella pusilla), der über den Panamakanal in den Pazifik eingeschleppt wurde, wie Carlton und sein Team berichten.

„Unsere Entdeckungen werfen ein neues Licht auf die Natur rund um die Galapagos-Inseln und auf die Biosicherheit dieser Gewässer“, konstatieren die Wissenschaftler. „Unserer Studie demonstriert, dass die Invasion tropischer Meeresbewohner mehr Beachtung finden muss – vor allem in den Galapagos und anderen wertvollen Schutzgebieten.“

Quelle: Smithsonian Institution; Fachartikel: Aquatic Invasions, doi: 10.3391/ai.2019.14.1.01

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