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Gebärdensprache und Lautsprache werden im gleichen Gehirnareal verarbeitet

Sprache ist Sprache, sagt sich das Gehirn und verarbeitet deshalb sowohl Lautsprache als auch Gebärdensprache in der gleichen Hirnregion. Diese Erkenntnis gewannen die Forscherin Laura Petitto und ihre Kollegen von der McGill-University in Montréal durch eine Studie mit hörenden und gehörlosen Menschen.

Bisher hatte man geglaubt, dass der linke inferofrontale Cortex, der bei der Sprachverarbeitung aktiviert ist, gerade auf die Lautlichkeit der Sprache reagiere. Nun haben Petitto und ihre Kollegen 11 gehörlose und 10 hörende Personen mit Hilfe der Positronen-Tomographie (PET) beim Hören eines gesprochenen Textes bzw. beim Anschauen eines gebärdeten Textes (in American Sign Language und Langue des Signes Québecoise) analysiert. Dabei zeigte sich, dass die Versuchspersonen beider Gruppen gleichermaßen eine erhöhte Aktivität im linken inferofrontalen Cortex aufwiesen.

David Caplan vom Massachussetts General Hospital in Boston, der einen Kommentar zu der Studie verfasst hat, meint, dass aus diesem Befund zwei Schlüsse gezogen werden könnten. Zum einen könne gefolgert werden, dass das genannte Gehirnareal “genetisch so eingerichtet ist, dass es jede gelernte Sprache verarbeiten kann”. Zum anderen weise der Umstand, dass beim Gebärden schnelle Handbewegungen einander abwechseln, darauf hin, dass diese Cortex-Region jeden Reiz verarbeiten kann, der mit einem schnellem Bewegungswechsel verbunden ist.

Für die Gehörlosen selbst bedeutet die Erkenntnis von Petitto und ihrem Team ein weiteres wissenschaftliches Argument für die Anerkennung der Gebärdensprache als vollgültige Sprache. Nicht wenige Wissenschaftler, aber auch Eltern und Lehrer glauben nämlich nach wie vor, dass die Gebärdensprache bestenfalls eine Krücke für die “behinderten” Gehörlosen darstellen könne. (The Lancet, Vol. 356, 2000, S. 1989)

Doris Marszk
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