Gedächtniskünstler mit und ohne Flügel - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Gedächtniskünstler mit und ohne Flügel

Tauben und Paviane können sich Tausende von Bildern über lange Zeit hinweg merken. Das ist das Ergebnis einer fünfjährigen Studie von Joel Fagot von der Universität in Marseille und seines amerikanischen Kollegen Robert Cook von der Tufts-Universität in Medford. Die beiden Wissenschaftler setzten zwei Pavianen und zwei Tauben Bilder vor, zu denen die Tiere eine passende von jeweils zwei möglichen Rückantworten liefern mussten. Dabei kamen die Tauben auf bis zu 1.200 und die Affen auf bis zu 5.000 Bilder, die sie in ihrem Gedächtnis speicherten.

Die Forscher suchten sich Tauben und Paviane für ihre Studie aus, da diese Tiere sich besonders auf den visuellen Sinn verlassen, für ihr gutes Gedächtnis bekannt sind und zwei vorherrschende Klassen der Wirbeltiere repräsentieren. Den Tieren wurden Bilder gezeigt, zu denen entweder links oder rechts vom Bild eine Taste aufleuchtete. Die Aufgabe der Tiere bestand darin, bei wiederholtem Zeigen eines Bildes die dazugehörige Taste zu wählen. Die Paviane benutzten dazu Joysticks, während die Tauben auf die Tasten pickten.

Über die Jahre hinweg kamen immer mehr Bilder hinzu und zuletzt erreichte der Pavian „Nummer 9“ bei einer Sammlung von 6.180 Bildern eine Trefferquote von 80 Prozent. Die Grenze der Gedächtnisleistung der Paviane könnte noch höher liegen, meinen die Forscher, jedoch wurde die Studie hier beendet. Die Tauben lagen weit hinter den Affen, aber erreichten dennoch bemerkenswerte Zahlen: So lag die Taube „BF“ bei 1.978 Bildern zu 67,6 Prozent richtig.

Basierend auf den Ergebnissen der Studie gehen Fagot und Cook davon aus, dass die Fähigkeit, riesige Informationsmengen speichern zu können, grundlegend und weit verbreitet bei den Wirbeltieren ist, die Kapazitäten jedoch von Art zu Art variieren. Interessant für die Forscher war auch, dass die Rate, mit der Informationen vergessen wurden, bei beiden Tierarten ähnlich war und das alle Testteilnehmer bei richtigen Rückmeldungen schneller reagierten als bei falschen. Die Studie zeige, dass Tauben und Paviane, obwohl seit Millionen von Jahren stammesgeschichtlich getrennt, ein ähnliches Erinnerungsprofil aufweisen. Fagot und Cook hoffen daher, mit ihren Daten der Evolution von Gedächtnissystemen auf die Spur kommen zu können.

Joel Fagot (Universität Marseille) und Robert Cook (Tufts-Universität in Medford): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0605184103 ddp/wissenschaft.de ? Sabine Keuter
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