Gefährlicher Hefepilz - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Gefährlicher Hefepilz

Im Nordwesten der USA breitet sich ein für den Menschen hochgefährlicher Hefepilz über die Luft aus. US-Wissenschaftler haben ihn als neue Variante des Pilzes Cryptococcus gattii identifiziert, der seit 1999 an der Pazifikküste von Kanada und Oregon vor allem immunschwache Patienten über die Atemwege in Todesgefahr bringt. Die nun gefundene Variante ist jedoch aggressiver und greift auch gesunde Menschen an. Die Mediziner sprechen vorsichtig von „mehreren“ Toten. Außerdem beginnt der Pilz, in das bevölkerungsreiche Kalifornien und andere angrenzende Gebiete einzuwandern.

1999 ist der Hefepilz Cryptococcus gattii erstmals auf Vancouver Island im Westen Kanadas aufgetaucht, 19 Menschen sind gestorben. Die stärker ansteckende Variante, genannt VGIIc, breitet sich in den angrenzenden US-Staaten Oregon und Washington aus. Die Sterblichkeitsrate geben die Wissenschaftler mit 25 Prozent an. Und jetzt erweist sich ein VGIIc-Typ als noch gefährlicher: „Normaler Weise betreffen Infektionen mit Cryptococcus gattii Patienten nach Organtransplantationen oder mit HIV-Erkrankung, aber das gilt nicht mehr für den neuen Pilz, der auch Gesunde bedroht“, erklärt Studienmitautor Edmond Byrnes vom Institut für Molekulargenetik und Mikrobiologie. Und er fällt auch domestizierte Tiere an wie Hunde, Katzen und Schafe: Sie leiden unter Schleimbildung in der Nase, Atem- sowie Nervenschmerzen und es bilden sich Beulen unter der Haut.

VGIIc wird beim Menschen per Inhalation übertragen und löst zwei Monate nach der Infektion eine ganze Reihe von Symptomen aus. Dazu gehören wochenlanger Husten, scharfe Schmerzen in der Brust, Kurzatmigkeit, Fieberanfälle, Gewichtsverlust und Schweißausbrüche. Auch Kopfschmerzen treten auf, die mit denen bei Hirnhautentzündung vergleichbar sind. Behandelbar ist die Kryptokokkose genannte Krankheit durch klassische Arzneimittel zur Behandlung von Pilzinfektionen auf Basis von Tabletten und Infusionen.

Die Forscher der Duke University sind nun auf der Suche nach der Herkunft des gefährlichen Pilzes. Untersuchungen von Boden, Wasser und Bäumen waren bisher erfolglos, auch die befallenen Haustiere haben keine Hinweise geliefert. „Die meisten sind ja keine nomadisierenden Tiere, die den Erreger aus anderen Regionen einschleppen könnten“, erläutert Byrnes. Der neue Pilztyp pflanzt sich ungeschlechtlich sowie durch Zellteilung fort, und dürfte sich genetisch mit seinen harmloseren Verwandten rekombiniert haben. Angelaufen ist die Analyse der Gensequenzen des Erregers, um ihn für die Behandlung von Infizierten zweifelsfrei von nichtkritischen Varianten unterscheiden zu können.

Die Wissenschaftler spekulieren, dass der Klimawandel für das plötzliche Auftauchen des Erregers mit verantwortlich sein könnte: Cryptococcus gattii kam nämlich bis 1999 nur in tropischen und subtropischen Regionen vor wie Australien, Afrika und Südostasien. In Europa sind Infektionen in Mittelmeerregionen mit Anpflanzungen von Eukalyptusbäumen bekannt.

Anzeige

Joseph Heitman (Duke University, Durham) et al.: Online-Ausgabe PLoS Pathogens ddp/wissenschaft.de ? Rochus Rademacher
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung

Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Anzeige

Bücher

Wissenschaftslexikon

Zell|tod  〈m. 1; unz.; Biol.; Med.〉 genetisch begründetes Absterben von Zellen, Apoptose ● programmierter ~

Com|pu|ter|freak  〈[–pjut(r)fri:k] m. 6; IT; umg.〉 jmd., der sich intensiv mit Computern beschäftigt

pri|ma vis|ta  〈[– vis–] Mus.〉 vom Blatt (zu spielen) ● ein Musikstück ~ spielen [ital., ”beim ersten Blick“]

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige