Gefahr im Gorilla - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Gefahr im Gorilla

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Gorillas tragen häufiger Malaria-Erreger in sich als bisher angenommen.
Forscher haben bei Menschenaffen in Afrika bislang unbekannte Malaria-Erreger entdeckt: Sie wiesen bei Gorillas aus Kamerun und Gabun zwei bisher nicht beschriebene Varianten der Parasiten nach, die die Tropenkrankheit verursachen. Zudem fand sich in den Stuhlproben der Gorillas auch Plasmodium falciparum, der Erreger der Malaria tropica, der bisher ausschließlich beim Menschen beobachtet wurde. Auch wild lebende Schimpansen tragen Malaria-Erreger in sich, die bisher wenig bekannt sind, berichten die Biologen um Franck Prugnolle vom Institut de Recherche pour le Developpement (IRD) in Montpellier. Durch den Kontakt zwischen Menschen und Menschenaffen könnten solche Erreger leicht zwischen beiden Arten übertragen werden, warnen die Forscher.

Prugnolle und sein Team untersuchten die Stuhlproben von 84 wild lebenden Gorillas und 125 wild lebenden Schimpansen an acht verschiedenen Orten in Kamerun. Zusätzlich analysierten sie Blutproben von drei in Freiheit geborenen, jedoch in Gefangenschaft lebenden Gorillas in Gabun. Dabei konnten die Forscher eine bislang unbekannte genetische Vielfalt des Malaria-Erregers Plasmodium nachweisen. So fanden sie bei den Schimpansen den erst vor kurzem entdeckten Erreger P. gaboni, der eng mit dem Erreger der Malaria tropica beim Menschen verwandt ist. Bei den Gorillas stießen die Wissenschaftler auf zwei bislang unbekannte Malaria-Erreger, die sie Plasmodium GorA und GorB nannten. Darüber hinaus entdeckten Prugnolle und sein Team bei den Affen auch P. falciparum, den gefährlichsten Erreger der Malaria beim Menschen.

Die Ergebnisse deuten nach Einschätzung der Forscher darauf hin, dass die Vielfalt der Malaria-Erreger bei Menschenaffen bisher unterschätzt wurde. Durch die enge genetische Verwandtschaft mit menschlichen Malaria-Erregern bestehe die Gefahr, dass die Parasiten vom Affen auf den Menschen übertragen werden könnten, warnen die Forscher. Diese Gefahr werde noch dadurch erhöht, dass es durch die Abholzung der Regenwälder immer häufiger zum Kontakt zwischen Menschen und Menschenaffen komme.

Malaria ist eine in den Tropen weit verbreitete Erkrankung, die von Parasiten verursacht und durch Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen wird. Die gefährlichste Form der Malaria ist die durch P. falciparum hervorgerufene Malaria tropica, die jährlich zu 500 Millionen Erkrankungsfällen und zwei Millionen Todesfällen führt. 85 Prozent der Erkrankungen treten in Afrika südlich der Sahara (Schwarzafrika) auf.

Franck Prugnolle (Institut de Recherche pour le Developpement (IRD), Montpellier) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.0914440107 ddp/wissenschaft.de – Christine Amrhein
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