Geflügelte Tornado-Propheten - wissenschaft.de
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Geflügelte Tornado-Propheten

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Goldflügel-Waldsänger (Vermivora chrysoptera), Credit: Henry Streby
Verwüstungen und 35 Tote: Das ist die Bilanz eines verheerendes Tornado-Sturmgebiets, das sich im April 2014 durch die Mitte der USA fräste. Die insgesamt 84 Twister rissen jeden ins Verderben, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatte. Genau das haben offenbar auch die Goldflügel-Waldsänger der betroffenen Regionen getan – und zwar lange vor Anbruch des Tornado-Infernos. Die kleinen Vögel hatten das herannahende Unheil gespürt und waren mindestens 24 Stunden zuvor geflohen, berichten US-Biologen. Ihnen zufolge liegt die prophetische Gabe der Tiere wahrscheinlich an ihrer Fähigkeit, den charakteristischen Infraschall wahrzunehmen, der von Tornado-Sturmgebieten ausgeht.

Bei der Entdeckung der Forscher um Henry Streby von der University of California in Berkeley handelt es sich um ein zufälliges Beiprodukt eines Forschungsprojekts, das eigentlich dem Zugverhalten des Goldflügel-Waldsängers gewidmet war. Dazu rüsteten die Biologen einige der Vögel mit einem winzigen Geolokatoren aus, die Informationen über ihre Reise aus Südamerika zu den Brutgebieten im Osten des US-Bundesstaates Tennessee sammeln sollten.

Flucht lange vor dem Einbruch der Katastrophe

Bei den Auswertungen stellten die Wissenschaftler fest, dass sich die Tiere vom 26. April bis zum 2. Mai an seltsamen Orten aufgehalten hatten. Den Daten zufolge waren sie aus ihren Brutgebieten zurück zur Golfküste geflogen. Das schien unerklärlich, denn einmal angekommen bleiben die Goldflügel-Waldsänger eigentlich in Tennessee und beginnen mit dem Brutverhalten. Zuerst hielten die Forscher die Ergebnisse deshalb für fehlerhaft, doch dann kam ihnen ein Verdacht: „Wir erinnerten uns, dass wir in der fraglichen Zeit in ein Hotel evakuiert werden mussten, um uns vor einem Sturmgebiet in Sicherheit zu bringen“, berichtet Streby.

Die anschließenden Recherchen legten dann nahe: Die Goldflügel-Waldsänger waren vor genau dieser Bedrohung geflohen. Das Spannende daran: Die Vöglein hatten offenbar bereits die Koffer gepackt, als in ihrem Brutgebiet noch alles ruhig und friedlich wirkte. Mindestens 24 Stunden bevor sich das Inferno am Horizont abzuzeichnen begann, waren die Vögel bereits geflohen. Unterm Strich reisten sie innerhalb von fünf Tagen 1.500 Kilometer, um dem Tornado-Sturmgebiet zu entgehen, berichten die Forscher.

Vermutlich alarmierte Infraschall die Vögel

Doch woher wussten die Goldflügel-Waldsänger von der nahenden Bedrohung? Streby und seinen Kollegen zufolge gibt es durchaus eine plausible Erklärung: Für uns unhörbarer Infraschall hatte die Vögel alarmiert. „Unter Meteorologen und Physikern ist bereits lange bekannt, dass Tornado-Sturmgebiete Infraschall aussenden, der sich über tausende von Kilometern weit ausbreitet“, erklärt Streby. Von einigen Vogelarten ist wiederum belegt, dass sie diese Schallwellen wahrnehmen können. Vermutlich gilt das auch für die Goldflügel-Waldsänger.

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Die Ergebnisse der Forscher legen somit nahe, dass die Tiere diese Informationsquelle nutzen können und dann mit sinnvollem Fluchtverhalten reagieren. Diese Fähigkeit könnte für sie leider zunehmend wichtig werden, betonen die Biologen. Denn die Prognosen im Rahmen des Klimawandels sehen schlecht aus: Es ist in den USA nun zunehmend mit Tornado-Sturmgebieten zu rechnen.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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