Gefräßige Meeresgiganten - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Gefräßige Meeresgiganten

Blauwale nehmen den Mund buchstäblich ziemlich voll: Mit einem einzigen Schluck Nahrung nehmen die Meeressäuger schon bis zu 480.000 Kilokalorien zu sich – etwa 240 Mal so viel, wie ein Mensch durchschnittlich am Tag benötigt. Das haben Biologen mit Hilfe von Hochrechnungen herausgefunden, als sie den Energieverbrauch der Meeresgiganten untersuchten. Wofür die Tiere diese immense Energiemenge benötigen, ist bislang allerdings nicht ganz klar – für die Beutezüge an sich würde ein Bruchteil der Kalorien ausreichen. Möglicherweise brauchen die Tiere jedoch die zusätzliche Energie, um trotz ihres weit geöffneten und mit Wasser gefüllten Mauls ihre massiven Körper beschleunigen zu können.

Blauwale können bis zu 15 Minuten pro Tauchgang unter Wasser bleiben. Angesichts der Mengen an Sauerstoff, die das Blut und die Muskeln der Riesen liefern können, ist das relativ wenig Zeit, erläutern die Wissenschaftler. Sie vermuteten daher, dass irgendein Faktor während des Tauchgangs beziehungsweise während der Futtersuche die Meeressäuger sehr viel zusätzliche Energie kostet. Um dieser Annahme nachzugehen, berechneten die Forscher die Energie, die ein Wal aufwenden muss, um sich einmal in die Tiefen des Ozeans zu begeben. Sie maßen dazu die Geschwindigkeit, mit der sich die Meeresgiganten fortbewegen, und berechneten die Kräfte, die auf die Tiere einwirkten, wenn sie sich mit gefülltem Maul vorwärtsbewegten.

Anschließend schätzten die Forscher die Energie ab, die ein Fang einbrachte. Mit Hilfe der Größe von Wal-Kieferknochen aus unterschiedlichen Museen berechneten sie die Größe dabei eines Blauwal-Mauls und konnten dadurch überschlagen, welches Volumen die Giganten mit einem Mal verschlingen können. Außerdem schätzten sie die Menge an Krill und anderen Kleinstlebewesen in einer entsprechenden Wassermenge sowie die Energiemenge ab, die dieses Futter den Walen liefert. Ergebnis: Bis zu 480.000 Kilokalorien an Nahrung passen mit einem Mal in das Maul des Blauwals. Das entspricht dem ungefähr 90-fachen dessen, was die Tiere für einen Tauchgang benötigen, der immerhin dem enormen Energieaufwand von etwa 5.000 Kilokalorien entspricht.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wale für das Schwimmen unter Wasser diese große Energiemenge benötigen, wenn sie die gigantischen Mengen an krillhaltigem Wasser einsaugen und sich dabei vorwärtsbewegen. Dabei wirkt das weit geöffnete Maul wie ein Fallschirm – es erhöht den Widerstand, den die Meeressäuger beim Schwimmen überwinden müssen. Vermutlich sei das die Ursache für den hohen Energiebedarf bei den Beutezügen.

Robert Shadwick (University of British Columbia) et. al.: Journal of Experimental Biology, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1242/jeb.048157 dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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