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Geheimnisvolle Stimmgewalt

13-12-02 Koala.jpg
Credit: Thinkstock
Sie sehen aus wie putzige Teddybären, doch das entsprechend zarte Stimmchen haben Koalas ganz und gar nicht: In der Paarungszeit verschaffen sich die Männchen mit extrem tiefen und voluminösen Rufen Gehör, die eher zu einem Büffel oder Hirschen zu passen scheinen. Forscher haben nun das Geheimnis hinter dieser erstaunlichen Röhre gelüftet: Ein zusätzliches Paar Stimmlippen verschafft den niedlichen Beutlern den grollenden Bass.

 

Das Prinzip der Laute männlicher Koalas entspricht den Rufen eines Esels: Was die etwa acht Kilogramm schweren Beuteltiere von sich geben, ist eine Reihe von Tönen, die beim Ein- und Ausatmen entstehen. Normalerweise hängt die Tonhöhe von Tierlauten mit der Größe des Stimmapparats zusammen: Je größer, desto tiefer. Doch offenbar wollten sich die Koalas im Rahmen ihrer Evolutionsgeschichte nicht mit einer Stimme begnügen, die diesem Zusammenhang entspricht. Die Balzrufe der Männchen haben eine Tonhöhe, die etwa 20 Mal tiefer ist als es ihrer Größe entsprechen würde, berichten die Wissenschaftler um Benjamin Charlton von der Universität von Sussex. „Sie sind wirklich irrsinnig laut und tief“, betont der Biologe.

 

Um herauszufinden, was hinter der Stimmgewalt steckt, haben die Forscher den Stimmapparat von zehn toten Koala-Männchen genau unter die Lupe genommen. Sie brachten sie sogar künstlich erneut zum Erklingen: Charlton und seine Kollegen leiteten dazu Luft durch den Hals der Tiere, um die Vorgänge bei der Lautproduktion zu simulieren. Währenddessen beobachteten sie die Effekte im Vokaltrakt mittels eines Endoskops und fertigten Videoaufnahmen an.

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Angeber-Stimme durch zusätzliches Paar Stimmlippen

„Wir haben entdeckt, dass Koalas ein zusätzliches Paar Stimmlippen besitzen, die sich außerhalb des Kehlkopfes befinden – dort wo sich Mund- und Nasenhöhle verbinden“, berichtet Charlton. Genau diese zusätzlichen Stimmlippen nutzen Koalas, um ihre extrem tiefen Balzrufe zu produzieren, zeigten die Auswertungen. Etwas Derartiges sei den Forschern zufolge bisher bei Säugetieren noch nicht beschrieben worden. „Lediglich von Walen ist bekannt, dass sie ihre Klicklaute zur Echolotortung unabhängig vom Kehlkopf erzeugen“, sagt Charlton.

 

Offenbar sind aber nicht nur die Koala-Männer so stimmgewaltig. Auch weibliche Koalas produzieren manchmal diese tiefen Laute, berichten die Forscher. Es sei deshalb bereits klar, dass sich die zusätzlichen Stimmlippen nicht nur bei den Männchen bilden, sondern für Koalas typisch sind. Offen bleibt nun allerdings, ob das Konzept der Lautproduktion der Koalas einzigartig ist, oder ob es noch andere Tiere mit solchen ungewöhnlichen Stimmapparaten gibt. Der Klärung dieser Frage wollen sich die Forscher nun weiter widmen.

 

 

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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