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Gehirn verrät Freundschaft

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Die Enge unser sozialen Beziehungen zeigt sich auch an unserem Gehirn (Grafik: iLexx/ iStock)
Unsere Freunde sind uns meist in ihren äußerlichen Eigenschaften, Hobbies oder im Alter ähnlich – das bestätigen auch Studien. Doch jetzt zeigt sich: Auch die Gehirne von miteinander befreundeten Menschen „ticken“ gleich. Experimente und Hirnscans belegen, dass Freunde ihre Umwelt und neue Erfahrungen auf überraschend ähnliche Weise verarbeiten. Allein anhand der Übereinstimmung der Hirnaktivität konnten die Wissenschaftler sogar ermitteln, wie eng zwei Personen befreundet waren.

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ – dieses Sprichwort kommt nicht von ungefähr. Denn wenn es um soziale Beziehungen und Freundschaften geht, neigen die meisten Menschen tatsächlich dazu, sich mit Personen zu umgeben, die ihnen ähnlich sind. Das erstreckt sich auf Eigenschaften wie Alter und Geschichte, aber auch den kulturellen Hintergrund, Vorlieben und sogar die Persönlichkeit. Forscher bezeichnen dieses Phänomen als „Homophilie“ – die Vorliebe für Gleiches bei Freunden. „Eine Vielzahl von Belegen deutet darauf hin, dass diese Homophilie ein sehr altes Organisationsprinzip ist – möglicherweise sogar eines der auffallendsten Merkmale menschlicher Gesellschaften“, erklären Carolyn Parkinson von der University of California in Los Angeles und ihre Kollegen. „Menschliche soziale Netzwerke neigen dazu, überwältigend homophil zu sein.“

Blick in Gehirn von Freunden

Angesichts dieser Ähnlichkeiten unter Freunden könnte man annhemen, dass es auch auf der Ebene der Wahrnehmung, Gefühle und Gedankenwelt Übereinstimmungen gibt. „Wir sind soziale Wesen und leben unser Leben in enger Verbindung mit anderen“, erklärt Seniorautorin Thalia Wheatley vom Dartmouth College. „Wenn wir wissen wollen, wie das menschliche Gehirn arbeitet, dann müssen wir auch verstehen, wie die Gehirne zusammenarbeiten – wie sie sich gegenseitig prägen.“ Ob und wie stark dies bei Freunden der Fall ist, haben die Forscher nun in einem Experiment untersucht. Dafür befragten sie zunächst 279 Studenten nach den sozialen Beziehungen zu ihren Kommilitonen: Mit wem waren sie eng befreundet, mit wem eher lose bekannt? Aus den Antworten rekonstruierten die Wissenschaftler das Netzwerk der Beziehungen unter ihren Probanden.

Nun folgte der eigentliche Versuch: 42 dieser Studenten bekamen jeweils eine Reihe verschiedener Videoclips zu sehen. Deren Inhalte reichten von Ausschnitten aus Komödien über politische Diskussionen, Dokumentationen und Spielfilmen bis hin zu Musikvideos. Ziel war es, mit diesen Filmen ganz unterschiedliche neuronale Reaktionen bei den Teilnehmern hervorzurufen. Während diese die Filme sahen, wurde ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) aufgezeichnet. Die Forscher analysierten nun für 80 verschiedene Hirnareale die jeweilige Aktivität bei den verschiedenen Videos und verglichen, ob sich diese neuronalen Muster bei eng befreundeten Probanden stärker ähnelten als bei nur lose bekannten.

Überraschend deutlicher Zusammenhang

Das Ergebnis: Je enger die Teilnehmer befreundet waren, desto ähnlicher waren auch ihre neuronalen Reaktionen auf die verschiedenen Videos. „Der Zusammenhang von neuronaler Ähnlichkeit und sozialer Nähe ist in seinem Ausmaß erstaunlich“, konstatieren die Forscher. „Mit der Ähnlichkeit in der Hirnaktivität nahm auch die Wahrscheinlichkeit für eine enge Freundschaft dramatisch zu – selbst wenn wir Ähnlichkeiten in demografischen Merkmalen berücksichtigten und herausrechnen.“ Der Zusammenhang war sogar so deutlich, dass es den Wissenschaftlern in einem ergänzenden Experiment gelang, die Nähe zweier Personen in einem sozialen Netzwerk allein anhand ihrer Hirnaktivität relativ gut vorherzusagen. Besonders große Übereinstimmungen unter Freunden gab es dabei in Hirnarealen, die für die Verarbeitung von Gefühlen, Erinnerungen und für Motivation und Lernen zuständig sind wie der Amygdala, dem Nucleus accumbens oder dem Putamen. Aber auch in Hirnbereichen, die für die Aufmerksamkeit, die Sprachverarbeitung und übergeordnete Denkprozesse wichtig sind.

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„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass es eine neurale Homophilie gibt: Menschen neigen dazu, sich mit denjenigen anzufreunden, die die Welt auf ähnliche Weise sehen“, sagen Parkinson und ihre Kollegen. Unsere Nähe zu anderen könnte demnach auch davon bestimmt sein, wie ähnlich sich unsere neuronalen und kognitiven Prozesse sind. Offen ist dabei allerdings die Frage nach Ursache und Wirkung: „Freunden wir uns mit einem Menschen an, weil dieser auf seine Umwelt ähnlich reagiert wie wir oder gleichen sich unsere Reaktionen auf die Welt an die unserer Freunde an?“, so fragen auch die Forscher. Wie sie erklären, lässt sich dies anhand ihrer Daten nicht herausfinden. Sie vermuten aber, dass beides zutrifft: Bereits existierende Ähnlichkeiten könnten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, sich mit jemandem anzufreunden. Gleichzeitig aber prägen unser soziales Umfeld und unsere Beziehungen auch unser Denken – und machen es unseren Freunden noch ähnlicher.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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