Gehirnwäsche im Bienenstock - wissenschaft.de
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Gehirnwäsche im Bienenstock

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Bienenköniginnen sondern ein Duftstoffgemisch ab, das die Lernfähigkeit der Arbeiterinnen beeinflusst. Foto: Science
Bienenköniginnen benutzen Drogen, um junge Arbeiterinnen einer Art Gehirnwäsche zu unterziehen und sie dadurch gefügiger zu machen: Sie sondern einen Duftstoff ab, der gezielt das Lernen aus negativen Erfahrungen blockiert, haben neuseeländische Biologen beobachtet. Damit verhindern die Königinnen, dass ihre Arbeiterinnen aggressive Verhaltensweisen entwickeln. Diese Strategie dient wohl hauptsächlich dem Selbstschutz, vermuten die Forscher, denn empfänglich für die Duft-Gehirnwäsche sind ausschließlich die Tiere, die für die Pflege und die Versorgung der Königinnen zuständig sind.

Verantwortlich für den Effekt ist eine Chemikalie namens Homovanillylalkohol, kurz HVA, konnten die Wissenschaftler zeigen. Sie ist Bestandteil eines komplexen Duftcocktails, Königinsubstanz oder QMP genannt, mit dem Bienenköniginnen gleich mehrere Vorgänge in ihrem Stock regulieren. So verhindert er unter anderem, dass die Arbeiterinnen Eierstöcke ausbilden und blockiert die Entwicklung weiterer Königinnen. Da er außerdem ähnliche Eigenschaften besitzt wie der Gehirnbotenstoff Dopamin, wirkt er auch auf die Gehirne der Arbeiterinnen ein, hatten bereits frühere Studien gezeigt.

Um zu untersuchen, ob sich dieser Einfluss auch im Verhalten der Tiere widerspiegelt, brachten die Forscher nun jungen Bienen bei, Düfte mit positiven und negativen Erfahrungen wie einem Tropfen Zuckerwasser oder einem schwachen Elektroschock zu verknüpfen. Einige der Tiere waren während dieses Trainings weiterhin dem QMP ausgesetzt, die anderen nicht. Das Ergebnis: Nur die Bienen ohne QMP schafften es, den Duftstoff mit dem schmerzhaften Schock zu assoziieren und als Reaktion darauf ihren Stachel auszufahren. Auf die positiven Erfahrungen hatte der Duftcocktail hingegen keinen Einfluss ? sie wurden von allen Tieren mit dem richtigen Duftstoff in Verbindung gebracht.

Die Lernblockade trat nur bei ganz jungen Bienen auf, beobachteten die Forscher. Das mache durchaus Sinn, denn Honigbienen werden im Gegensatz zu Ameisen nicht in eine Kaste hineingeboren, der sie ihr Leben lang angehören. Sie durchlaufen vielmehr unterschiedliche Phasen, in denen sie verschiedene Aufgaben haben. So sind die ältesten Bienen für die Futtersuche zuständig, etwas jüngere für Bau und Verteidigung des Stocks und die jüngsten für die Pflege und die Versorgung der Königin. Während Aggressivität bei den älteren Bienen erwünscht ist, wäre es gefährlich für die Königin, würden die jungen Arbeiterinnen plötzlich als Reaktion auf einen bestimmten Duft im Stock aggressiv reagieren, erklären die Biologen. Sie vermuten daher, dass die chemische Gehirnwäsche dieses Risiko von vorneherein ausschalten soll.

Vanina Vergoz ( Universität von Otago, Dunedin) et al.: Science Bd. 317, S. 384 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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