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Geistesblitz

Leichte Stromstöße können beim Rechnen helfen: Durch die elektrische Stimulation einer bestimmten Hirnregion lässt sich das mathematische Können eines Menschen verbessern. Das haben britische Forscher in Versuchen mit Freiwilligen herausgefunden. Der Effekt hält bis zu sechs Monate lang an. Andere kognitive Fähigkeiten werden den Wissenschaftlern zufolge durch die Stromstöße nicht beeinträchtigt. Die Studienresultate sollen allerdings nicht in erster Linie einer Verbesserung der mathematischen Leistungen normal begabter Menschen dienen. Vielmehr könnten sie in Zukunft beispielsweise zur Behandlung der auch als Rechenschwäche bekannten Dyskalkulie beitragen, berichten Roi Cohen Kadosh und seine Kollegen vom University College London.

„Elektrische Stimulation würde höchstwahrscheinlich niemanden zu einem Albert Einstein machen. Aber sie könnte möglicherweise einigen Leuten helfen, besser mit Mathe zurechtzukommen“, erläutert Roi Cohen Kadosh. Für ihre Studie benutzten die Forscher das Verfahren der transkraniellen Gleichstrombehandlung. Bei dieser Methode wird über am Kopf platzierte Elektroden ein schwacher Gleichstrom an das Gehirn angelegt, der die Aktivität der Nervenzellen verändert. Bereits eingesetzt wird das Verfahren bislang bei einigen neurologischen Erkrankungen, beispielsweise einem Schlaganfall, um die Gehirnfunktionen wieder zu verbessern.

In den Versuchen wirkte der Gleichstrom auf den Scheitellappen der Probanden ein, eine Region des Großhirns, die für das mathematische Verständnis entscheidend ist. Während die Versuchsteilnehmer die elektrische Stimulation erhielten, sollten sie eine Reihe „künstlicher“ Nummern auswendig lernen. Dabei handelte es sich um Symbole, die jeweils für eine bestimmte Zahl standen. Im Anschluss an die Behandlung testeten die Wissenschaftler die Fähigkeit der Probanden, mit den Symbolen zu rechnen: Die Gleichstrombehandlung konnte die Leistungen der Versuchspersonen deutlich steigern.

Die Wissenschaftler planen nun, den Test an Personen zu wiederholen, die gravierende Probleme mit dem Rechnen haben. Wenn die Methode auch hier erfolgreich sei, habe das möglicherweise weitreichende Konsequenzen, hofft Roi Cohen Kadosh. Denn mit einer Rechenschwäche könnten oft selbst alltägliche Aufgaben nicht gemeistert werden: Betroffene hätten zum Beispiel Probleme, das Wechselgeld im Supermarkt zu zählen. Außerdem seien oft auch soziale und psychische Probleme wie Arbeitslosigkeit oder ein niedriges Selbstbewusstsein mit einer Rechenschwäche verknüpft.

Vincent Walsh (University College London, London) et al.: Current Biology, Bd. 20, Nr. 21, doi: 10.1016/j.cub.2010.10.007 dapd/wissenschaft.de ? Meike Simann
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