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Gene beeinflussen Links- oder Rechtshändigkeit bei Schimpansen

Primatenforscher vom Yerkes Regional Primate Research Center der Emory University haben herausgefunden, dass bei Schimpansen Genetik und Geburtsordnung beeinflussen, welche Hand sie bevorzugt benutzen. Die Studie von Bill Hopkins und Jeremy Dahl, die in der Juli Ausgabe von Psychological Science erscheint, spricht gegen die herrschende Meinung, dass die Vorliebe für den Einsatz einer bestimmten Hand ausschließlich von Umwelteinflüssen bestimmt wird.

In ihrer Studie untersuchten Hopkins und Dahl 134 Mutter-Kind-Schimpansenpaare, die in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die Einteilung nahmen die Wissenschaftler aufgrund der Geburtsordnung vor: Die eine Gruppe, die so genannte Risikogruppe, bildeten die Erst- und Spätgeborenen. Die Schimpansenkinder, die als zweites, drittes, viertes oder fünftes Kind geboren wurden, zählten zu der zweiten Gruppe, der Nicht-Risikogruppe. Diese Einteilung basiert auf der Tatsache, dass bei der ersten und bei Schwangerschaften nach fünf Geburten, ein Risiko in der Entwicklung der Föten besteht.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass in der Nicht-Risikogruppe 86 Prozent des Nachwuchses der rechtshändigen Müttern ebenfalls rechtshändig waren. In der Risikogruppe waren es nur 46 Prozent. Wegen der hormonalen Schwankungen, die mit der ersten und den späten Schwangerschaften verbunden sind, behauptet Hopkins, dass Linkshändigkeit als ein biologisches Merkmal für pränatale Unregelmäßigkeiten oder als ein „pathologisches Ereignis“ im Uterus gesehen werden könnte. „Unsere Daten deuten an, dass einige biologische Faktoren an der Organisation des Gehirnes so beteiligt sind, dass eine Linkshändigkeit erzeugt wird“, sagte er.

Zudem stellten Hopkins und Dahl fest, dass die Vorliebe für den Einsatz der rechten oder linken Hand bei Schimpansen unabhängig von den Umständen, unter denen sie aufwuchsen, zu sein scheint. Bei der Analysierung von 155 Geschwisterpaaren fanden die Wissenschaftler eine hohe Quote für ähnliche Handvorlieben, sogar unter Schimpansen, die getrennt voneinander aufwuchsen. „Die Vorliebe für eine Hand scheint erblich bedingt zu sein“, folgert Dahl.

Unter Schimpansen kommt Rechtshändigkeit doppelt so oft vor, wie Linkshändigkeit. Studien bei Menschen haben ergeben, dass Rechts- zu Linkshändigkeit in einem Verhältnis von acht zu eins vorkommt. Wissenschaftler haben diesen Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen nicht geklärt. Obwohl genetische Unterschiede zwischen den zwei Spezies eine Rolle spielen könnten, vermutet Hopkins die Ursache in kulturellen und religiösen Vorurteilen gegen Linkshändigkeit in einigen Gesellschaftsordnungen.

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Nicole Waschke
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