Genie und Wahnsinn haben die gleiche biologische Basis - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Genie und Wahnsinn haben die gleiche biologische Basis

Kreative Menschen sind offener für neue Eindrücke als andere ? genau diese Offenheit wird jedoch auch häufig für Psychosen verantwortlich gemacht. Diesen Zusammenhang entdeckten amerikanische und kanadische Psychologen. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Journal of Personality and Social Psychology (September-Ausgabe).

Um in der Umwelt zurecht zu kommen, müssen Menschen einen Teil der sie umgebenden Reize ausblenden. Psychologen nennen dieses biologische Prinzip „latente Hemmung“. Sie beschreiben damit die Fähigkeit eines Individuums, unbewusst solche Reize zu ignorieren, die erfahrungsgemäß keine Verbesserung des eigenen Zustands herbeiführen. Funktioniert diese Ausblendetechnik nicht ausreichend, kann die Reizüberflutung Orientierungslosigkeit und schwere psychische Krankheiten auslösen.

Shelley Carson, Jordan Peterson und Daniel Higgins von den Universitäten in Harvard und Toronto entdeckten jedoch noch eine andere Folge einer geringen Reizschwelle: In psychologischen Tests zeigten sehr kreative Testpersonen ebenfalls geringe Werte für die latente Hemmung. Autor Peterson erklärt diesen Zusammenhang so: „Wenig kreative Personen ordnen ein Objekt ein und vergessen es dann, obwohl es möglicherweise deutlich komplexer und interessanter ist als es auf den ersten Blick erscheint. Kreative Menschen hingegen sind immer offen für neue Möglichkeiten.“

Eine niedrige latente Hemmung ist nach Ansicht der Psychologen jedoch nur für Menschen von Vorteil, die intelligent sind und sehr gut an mehrere Dinge zur gleichen Zeit denken können. Dann könne die Vielfalt der verfügbaren Informationen in neue und originelle Ideen umgesetzt werden, schreiben die Forscher. Sie scheinen mit ihrer Entdeckung der Antwort der uralten Frage, warum Genie und Wahnsinn häufig so dicht beieinander liegen, ein Stück näher gekommen zu sein.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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