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Genschalter gegen Infarktschäden

Eine vorbeugende Gentherapie soll in Zukunft die schweren Gewebeschäden nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern: Amerikanische Forscher haben einen Ansatz entwickelt, bei dem ein therapeutisches Gen mit einem genetischen Sauerstoffsensor gekoppelt wird. Sinkt die Sauerstoffkonzentration im Gewebe beispielsweise bei einem Herzinfarkt, schaltet dieser Sensor das therapeutische Gen an. Erste Tests der Methode bei Ratten sind bereits sehr erfolgreich verlaufen, berichten Victor Dzau von der Harvard-Universität in Boston und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „PNAS“ (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0404616101).

Wenn die Blutzufuhr unterbrochen ist, wird das dahinter liegende Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Das kann zu schweren Störungen der Organfunktion führen. Besonders im Gehirn, wo Sauerstoffmangel infolge von Schlaganfällen auftritt, und nach einem Herzinfarkt sind solche Störungen lebensbedrohlich. Obwohl bereits verschiedene Therapien entwickelt wurden, die solche Schäden vermindern können, ist der Erfolg begrenzt, denn diese Wirkstoffe müssen innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne nach dem Infarkt verabreicht werden.

Um dieses Problem zu umgehen, haben Dzau und seine Kollegen eine Gentherapie entwickelt, die bereits Wochen oder Monate vor dem Auftreten des akuten Infarkts angewendet werden kann. Dazu konstruierten die Forscher ein harmloses Virus, mit dessen Hilfe der genetische Sensor und das therapeutische Gen in Körpergewebe eingeschleust werden können. Bei normaler Durchblutung bleibt dieses künstliche Erbgut völlig passiv. Fällt jedoch die Sauerstoffkonzentration ab, reagiert der Sensor auf vom Körper freigesetzte Stoffe und aktiviert das therapeutische Gen. Daraufhin wird ein Protein namens Hämoxygenase 1 produziert, das die Zellen vor den Folgen des Sauerstoffmangels schützt.

Bei Ratten gelang es den Forschern bereits, mithilfe der neuen Therapie die Gewebeschädigung nach einem künstlich herbeigeführten Herzinfarkt um 65 Prozent zu senken. Auch Muskel- und Lebergewebe ließ sich gut schützen. Eine solche Therapie sei besonders für Risikogruppen gut geeignet, bei denen die Wahrscheinlichkeit für einen Herz- oder Gehirninfarkt aufgrund verstopfter Gefäße sehr hoch sei, schreiben die Wissenschaftler. Als nächstes planen sie, ihre Behandlung auch bei anderen Tieren zu testen. Sollten sich die positiven Ergebnisse bestätigen, sei eine klinische Studie am Menschen bereits in etwa einem Jahr denkbar, schätzt Studienleiter Dzau.

ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel
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