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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Gesichter sprechen Dialekt

Amerikaner erkennen andere Amerikaner am Grinsen: Menschen verschiedener Kulturkreise zeigen Gefühle zwar in grundsätzlich gleichen Gesichtsausdrücken, dennoch gibt es unbewusst wahrnehmbare Unterschiede. Über diese so genannten nicht-verbalen Dialekte berichten amerikanische Forscher im Fachjournal Psychological Science (Ausg. 14, Nr. 4).

Die Wissenschaftler um Abigail Marsh von der Harvard-Universität in Boston legten Amerikanern Fotos von Gesichtern vor. Alle Fotos zeigten Japaner, wobei die Hälfte von ihnen in Japan und die andere Hälfte in den USA aufgewachsen war. Die Psychologen baten nun die Testpersonen, die Herkunft der auf dem Foto dargestellten Person zu bestimmen.

Zeigten die Gesichter auf den Fotos einen neutralen Gesichtsausdruck, fiel es den Teilnehmern sehr schwer, Aussagen über den kulturellen Hintergrund der abgebildeten Person zu treffen. Drückten die Gesichter dagegen Gefühle wie Ärger, Angst, Überraschung und Abscheu aus, konnten die Probanden schneller und zuverlässiger sagen, ob es sich bei den abgebildeten Personen um Amerikaner oder Japaner handelte.

Bei Gesichtsausdrücken gebe es zwar eine universelle Sprache für grundlegende Gefühle, doch diese Sprache verändere sich je nach kulturellem Hintergrund wie bei einem Dialekt, interpretieren die Forscher ihre Ergebnisse. „Die Unterschiede bestehen wahrscheinlich in sehr kleinen Veränderungen der Muskelbewegungen oder in der relativen Ausprägung dieser Bewegungen“, schreiben die Wissenschaftler.

Möglicherweise sei die unbewusste Wahrnehmung eines fremden „nicht-verbalen Dialekts“ ein Grund für Angst vor Fremden, vermuten die Psychologen. Auf ähnliche Weise könne ein bekannter und vertrauter Mimikdialekt die Gefühle einem fremden Menschen aus dem eigenen Kulturkreis gegenüber positiv beeinflussen, schreibt Studienleiterin Abigail Marsh.

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ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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