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Gezittert, nicht gerührt

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James Bonds Standardgetränk: ein Martini (thinkstock)
Man fragt sich ja, wie James Bond das macht: Eben hat er noch ein paar Martinis im Casino gekippt, jetzt liefert er sich schon eine heiße Verfolgungsjagd oder verführt eine schöne Frau. Von den Auswirkungen des Alkohols ist nichts zu spüren. Britische Ärzte erklären uns nun: Alles Quatsch. So viel, wie Bond trinkt, leidet er mit hoher Wahrscheinlichkeit an erektiler Dysfunktion. Und unter einem Alkoholtremor, der es ihm schlicht unmöglich macht, seinen Martini umzurühren.

Die Frage, warum der berühmteste Spion aller Zeiten seinen Martini geschüttelt und nicht gerührt trinkt, hat bereits viele kluge Köpfe beschäftigt. Eine interessante Auswahl von Theorien findet sich in „Will We Ever Speak Dolphin?“, einem Buch, in dem das britische Magazin „New Scientist“ Fragen und Antworten seiner Leser zusammengetragen hat. Mal beschleunigt das Schütteln angeblich die Oxidation von Aldehyden im Wermut, mal den Abbau von Wasserstoffperoxid. Beides soll dem Geschmack zuträglich sein. Die meisten selbsternannten Experten sind allerdings der Meinung, das Schütteln helfe gegen die ölige Konsistenz, die Martinis mit Kartoffelwodka zu eigen ist.

Britische Mediziner stellen in der Weihnachtsausgabe des „British Medical Journal“ nun eine neue Theorie auf. Sie untersuchten, wie viel Alkohol James Bond in den Büchern von Ian Fleming konsumierte. „Wir kommen zu dem Schluss, dass James Bond seine Drinks nicht hätte umrühren können, selbst wenn er gewollt hätte. Grund dafür ist ein wahrscheinlich alkoholinduzierter Tremor“, schreiben Graham Johnson vom Royal Derby Hospital und seine Kollegen.

Mit Mitte 50 ist Schluss

Der Spion, so stellen sie fest, ist dem Alkohol hoffnungslos verfallen. Von 123,5 Tagen, die in Flemings Büchern beschrieben werden, trank er an 75 Tagen; an weiteren 36 Tagen blieb er nur deshalb nüchtern, weil er eingesperrt, im Krankenhaus oder in der Rehabilitation war. Auch die Mengen, die er pro Woche vernichtet, sind beunruhigend hoch. Die Forscher bezifferten Bonds Alkoholkonsum mit Hilfe einer Tabelle der britischen Gesundheitsbehörde. Ein Fingerbreit Schnaps entspricht einer Einheit, ein Martini drei Einheiten. Im Laufe einer Woche, die er vollständig in Freiheit verbrachte, trank Bond im Schnitt 92 Einheiten – nahezu das Vierfache der verträglichen Höchstmenge. Damit sei Bond ein harter Trinker und „in der höchsten Risikogruppe für bösartige Tumore, Depressionen, Bluthochdruck und Zirrhose“, schreiben die Forscher. „Er hat außerdem ein hohes Risiko, an sexueller Dysfunktion zu leiden, was gravierenden Einfluss auf seine Schürzenjägerei hätte.“

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Selbst wenn Bond seinen gefährlichen Job – und Verfolgungsjagden mit benebeltem Geist – übersteht, rafft es ihn wahrscheinlich mit Mitte 50 dahin, genauso wie seinen Schöpfer, der nach 56 Jahren voller Alkohol und Zigaretten einem Herzleiden erlag. „Wir haben Verständnis für den sozialen Druck, bei der Arbeit mit internationalen Terroristen und risikofreudigen Zockern Alkohol zu trinken“, beteuern Johnson und seine Kollegen. Bond solle seinen Konsum allerdings mit einem Fachmann diskutieren. Und überhaupt: Niemand könne in betrunkenem Kopf so gut agieren und reagieren, wie Bond es angeblich tut. „Das ist vermutlich pure Fiktion.“

 

 

 

 

 

 

Quelle:

© wissenschaft.de – Nora Schlüter
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