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Umwelt+Natur

Gift in der Bakterienhülle

Durch eine ungewöhnliche Verpackung lässt sich möglicherweise der Verbrauch von Pflanzenschutzmitteln verringern: In leere Bakterienhüllen gefüllt zeigte das Fungizid Tebuconazol eine höhere Aktivität als in herkömmlichen Darreichungsformen, berichtet das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 16. September). Das besondere an den bakteriellen Mikrobeutelchen: Sie haften an Blättern und Stängeln der Pflanzen so gut, dass selbst starker Regen sie nicht fortspült.

Österreichische Forscher um Tamás Hatfaludi von der Universität in Wien haben den natürlichen Vorratsbehälter entwickelt und getestet. Als Hüllen verwendeten sie die Membran von Bakterien der Spezies Pectobacterium cypripedii. Diese Mikroorganismen haben die besondere Fähigkeit entwickelt, an Pflanzen zu haften. Um sie zu entleeren, behandelten die Forscher die Bakterien mit einem speziellen Protein: Dieses bohrt ein winziges Loch in die Zellwand, ohne den Rest der Hülle zu beschädigen. Durch das Loch können die Forscher dann den Zellinhalt entfernen.

Im Prinzip verhalten sich die Bakterienhüllen wie Flaschen, erklärt Hatfaludi im New Scientist: „Man kann sie entkorken und den Inhalt ausleeren. Die Flasche selbst ist aber noch intakt.“ Die Forscher befüllten die angebohrten Beutel mit dem Fungizid Tebuconazol, das beispielsweise im Gemüseanbau eingesetzt wird. In dieser Form sprühten sie es auf Weizen und Gerste. In beiden Fällen war das Fungizid aktiver als in seiner üblichen Darreichungsform.

Die leeren Bakterienhüllen können aber nicht nur als Verpackung für Fungizide dienen. Die Forscher können sich auch vorstellen, damit etwa medizinische Wirkstoffe zu transportieren ? in einer Verpackung, die je nach verwendeter Bakterienart maßgeschneiderte Oberflächeneigenschaften ausweist.

ddp/bdw ? Barbara Witthuhn
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