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Glaube versetzt Endorphine

Amerikanische Wissenschaftler haben entdeckt, warum auch wirkstofffreie Placebos Schmerzen lindern können: Der Glaube und die Erwartung, ein schmerzlinderndes Mittel zu bekommen, animiert das Gehirn zur Produktion körpereigener Schmerzmittel, so genannter Endorphine. Diese setzen die Schmerzempfindlichkeit herab ? auch dann, wenn gar kein zusätzlicher Wirkstoff verabreicht wird.

Lange Zeit galt der Placebo-Effekt als reine Einbildung. Erst während der vergangenen Jahre entdeckten Wissenschaftler, dass die aus vielen Berichten bekannte Wirkung eigentlich wirkstofffreier Medikamente durchaus eine körperliche Ursache hat: Die Placebo-Medikamente ? unter anderem Scheinschmerzmittel ? aktivieren nämlich die gleichen Gehirnregionen wie die echten Wirkstoffe. Was in den aktivierten Hirnarealen der Getäuschten tatsächlich abläuft, war bislang allerdings unbekannt. Bereits in früheren Studien gab es jedoch Hinweise auf eine Beteiligung des so genannten Endorphinsystems: Als Reaktion auf Schmerzreize kann der Körper natürliche opiumähnliche Substanzen bilden, die an bestimmte Erkennungseiweiße auf Nervenzellen andocken und so die Weiterleitung des Schmerzreizes blockieren.

Um diese These zu testen, erzeugten die Forscher bei den 14 gesunden Freiwilligen künstlich Schmerzen, indem sie ihnen eine Salzlösung in den Kiefermuskel spritzten. Nach einer gewissen Zeit erklärten die Wissenschaftler den Probanden, sie würden ein Schmerzmittel erhalten, verabreichten ihnen jedoch lediglich ein Scheinmedikament. Gleichzeitig scannten die Forscher die Gehirne der Testteilnehmer, wobei sie dank einer speziell markierten Substanz direkt sehen konnten, ob und wo im Gehirn das Endorphinsystem der Probanden aktiv war.

Das Ergebnis war eindeutig: Kurz vor und während der Placebo-Gabe erhöhte sich die Endorphinausschüttung in vier für die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen zuständigen Gehirnregionen. Gleichzeitig empfanden die Probanden deutlich weniger Schmerz. Je höher Aktivität des Endorphinsystems dabei war, desto ausgeprägter war auch die Schmerzlinderung. „Diese Ergebnisse sind ein weiterer gravierender Schlag für die These, dass der Placebo-Effekt ein rein psychologisches Phänomen ist“, kommentiert Studienleiter Jon-Kar Zubieta. Die Wissenschaftler wollen den Effekt nun auch bei Schmerzpatienten und anderen Probandengruppen untersuchen. Die Entdeckung könnte ihrer Ansicht nach die Basis für die Entwicklung psychotherapeutischer und psychologischer Ansätze zur Schmerzbehandlung sein.

Jon-Kar Zubieta (Universität von Michigan, Ann Arbour) et al.: The Journal of Neuroscience (Bd. 25, Nr. 34).

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ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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