Glibberiger Rohstoff aus dem Meer - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Glibberiger Rohstoff aus dem Meer

Die glibberige Masse von Riesenquallen enthält einen Stoff, der als Zusatz für Nahrungsmittel, Kosmetika und Arzneimittel genutzt werden könnte. Der Eiweißstoff, der auch in Speichel und Schleim enthalten ist, könnte zum Beispiel als Feuchtigkeitsspender für Cremes oder als Magensaftersatz dienen, sagen japanische Forscher. Auf der Suche nach einem Nutzen für die schleimigen Meerestiere hatten die Wissenschaftler um Kiminori Ushida vom Forschungsinstitut in Saitama eigentlich nach einem Zuckermolekül gesucht, das sich in Haut- und Schleimhautgewebe findet. Stattdessen entdeckten sie die schleimige Eiweißsubstanz, die sie Qniumucin tauften, meldet der Onlinedienst des Fachmagazins „Science“.

Bis zu sechzig Gramm des Stoffes lassen sich aus einer etwa zweihundert Kilogramm schweren Riesenqualle gewinnen, berichtet das Forscherteam. Die gelartige Substanz könnte in Lebensmitteln als Emulgator verwendet werden oder Cremes und Seifen mehr Feuchtigkeit verleihen. Zudem könnte sie Menschen mit bestimmten Magenerkrankungen als eine Art künstlicher Magensaft dienen. Da die Struktur des Qniumucin bei verschiedenen Quallenarten ähnlich ist, könnte die Substanz auch aus anderen Quallen gewonnen werden, sagt Ushida.

Die Suche nach einem Verwendungszweck für die wabbeligen Meerestiere war vor allem entstanden, weil die Quallen in Japan in den vergangenen Jahren zur Plage geworden waren. Riesenquallen hatten Fischernetze zerrissen, die kleineren Mondquallen hatten Kühlsysteme von Kraftwerken lahmgelegt und Strände unbenutzbar gemacht. Trotz der Praxis, die Tiere in Stücke zu zerhacken oder zu Backpulver und knusprigen Snacks zu verarbeiten, waren die Fischer der Plage nicht mehr Herr geworden.

Nun müssen die Foscher um Kiminori Ushida noch nachweisen, dass das Qniumucin für den Menschen gut verträglich ist und keine allergischen Reaktionen hervorruft. Dann könnte die Substanz auch ein Ersatz für Magenschleimprodukte sein, die zuvor aus Rindern gewonnen wurden, jedoch aus Furcht vor Rinderwahnsinn wieder vom Markt genommen wurden. Nicht zuletzt könnte das Geschäft mit Qniumucin auch dabei helfen, die Kosten zu decken, die durch die Beseitigung der Quallen entstehen.

Kiminori Ushida (Forschungsinstitut in Saitama) et al.: Journal of Natural Products (doi: 10.1021/np060341b) Science Onlinedienst ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein
Anzeige
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Ma|gen|ge|schwür  〈n. 11; Med.〉 Geschwür in der Magenschleimhaut, besonders an der kleinen Kurvatur, am Magenausgang u. im Zwölffingerdarm ● da bekommt man ja ~e! 〈umg.〉

soft  〈[sft] Adj.〉 1 weich, sanft 2 〈Mus.; bes. Jazz〉 weich (zu spielen) ... mehr

Me|ta|pho|rik  〈f. 20; unz.〉 die Kunst, Metaphern zu bilden, Gebrauch von Metaphern

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige