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Good Vibrations

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Mit ihren Füßen können Elefanten "rumbeln": Sie erzeugen Vibrationen, die Artgenossen über 100 Kilometer weit spüren. (Foto: Olof van der Steen/iStock)
Wie macht der Elefant? Er trompetet natürlich, das weiß doch jedes Kind. Dass ein Dickhäuter aber auch sogenannte Rumble-Töne ausstößt, die seine Artgenossen mit ihren sensiblen Füßen spüren können, ist weniger bekannt: Fast 90 Prozent ihrer Unterhaltung führen Elefanten mit diesen niederfrequenten Lauten (5 bis 20 Hertz), die für uns Menschen kaum hörbar sind. Sie breiten sich über den Erdboden über 100 Kilometer weit aus und kommen dann bei anderen Elefanten als „seismischer Anruf“ an – zum Beispiel als Warnung vor einem Löwen. Vor gut zehn Jahren hat die US-Wissenschaftlerin Caitlin O’Connell-Rodwell diese ungewöhnliche Art der Tierkommunikation entdeckt (bild der wissenschaft 5/2008, „Wenn ­Füße hören können“).

„Von den etwa 6000 unterschied­lichen Lautäußerungen der Tiere sind immer noch weniger als ein Dutzend entschlüsselt“, bedauert die amerikanische Elefanten-Expertin, für die das Studium von Sprache und Verhalten der Tiere zur Lebensaufgabe geworden ist: Seit Mitte der 1990er-Jahre verbringt die Biologin jeden Sommer im Etosha National Park von Namibia.

Es ist ihr mittlerweile gelungen, Laute wie „Willkommen“ und „Gefahr“, bestimmte Paarungsrufe sowie eine Art „Kennnummer des Anrufers“ zu identifizieren. Neu ist die Erkenntnis, dass es bei weiblichen Tieren eine koordinierte Absprache gibt. Will zum Beispiel die Matriarchin ihrer Herde mitteilen, dass sie das Wasserloch verlassen soll, dann rumbelt sie „Auf geht’s!“. Sobald die Chefin fertig ist, wiederholt eine zweite und dritte Kuh die Aufforderung. „Es entstehen bis zu neun Sekunden lange Rufketten, an denen immer dieselben zwei bis drei Tiere beteiligt sind, unabhängig von der Gruppengröße“, erklärt O’Connell-Rodwell.

Hörgeschädigte trampeln Buchstaben

Ihre Studie hat gezeigt, wie gut Elefanten mithilfe ihrer Kommunikation als Gruppe zusammenarbeiten. Immer wieder hat sie beobachtet, dass durch solche „Absprachen“ komplexe Aktionen möglich sind – so gelang es einer Gruppe, gemeinsam ein Elefantenkälbchen vor dem Ertrinken zu retten. Zurzeit untersucht die Wissenschaftlerin, ob es ähnliche Rufketten bei männlichen Elefanten gibt.

Auch jenseits von Afrika beschäftigt sich die 48-Jährige mit „Good Vibra­tions“: O’Connell-Rodwell ist Assistenz-Professorin an der medizinischen Fakultät der Stanford University und entwickelt dort einen Handschuh für Hörgeschädigte: Sprache oder Töne sollen über kleine Vibratoren, die wie Verstärker wirken und in den Fingern und der Innenfläche des Handschuhs sitzen, in fühlbare Schwingungen umgesetzt werden. „Niederfrequente Töne erfasst der Daumen, und die Frequenzwahrnehmung steigt über die Hand an, sodass der kleine Finger die hohen Töne identifiziert“, erklärt die Forscherin. Mithilfe eines Kopfbands, das die Gehirnaktivität des Hörzentrums von außen mit Infrarot-Signalen misst, wies O’Connell-Rodwell nach, dass das Hörzentrum bei hörgeschädigten Patienten auf die Vibrationen im Handschuh reagiert. Gesunde Menschen fühlen die Vibrationen zwar auch, können sie aber nicht in ihrem Hörzentrum verarbeiten.

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Ziel der Forscherin ist es, ein Art „Brailleschrift für Hörgeschädigte“ zu entwickeln: Akustische Informationen sollen auf Papier gebracht werden, wo die Patienten sie Buchstabe für Buchstabe erfühlen können.

© wissenschaft.de – Désirée Karge
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