Grammatik-Star trotz Spatzenhirn - wissenschaft.de
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Grammatik-Star trotz Spatzenhirn

Stare können einfache grammatikalische Muster lernen, die bisher als charakteristisch für die menschliche Sprache galten. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten diese ungewöhnliche Sprachbegabung der Singvögel, indem sie aus Triller- und Rätschlauten künstliche Starengesänge aufbauten, die zwei verschiedenen grammatikalischen Regeln folgten. Nach mehreren Monaten und viel Futterbelohnung konnten neun von elf Vögeln die beiden grammatischen Regeln voneinander unterscheiden.

Timothy Gentner und seine Kollegen untersuchten ein Merkmal, das in allen menschlichen Sprachen zu finden ist: die so genannte Rekursion. Diese Struktur erlaubt es, Wörter oder Sätze ineinander einzubetten. So kann beispielsweise der Satz „Das Buch ist sehr spannend“ in die komplexere Struktur „Das Buch, das auf dem Tisch liegt, ist sehr spannend“ umgeformt werden. Theoretisch kann diese Verschachtelung unendlich oft weitergeführt werden. Linguisten schrieben diese Fähigkeit, rekursive Strukturen zu bilden und zu verstehen, bisher ausschließlich Menschen zu. Auch vermuteten sie in der Rekursion das vielleicht einzige sprachliche Merkmal, das nur in der menschlichen Sprache zu finden ist und diese somit einzigartig macht.

Diese klare Grenze zwischen menschlicher und tierischer Sprache wird nun durch die Experimente der amerikanischen Forscher in Frage gestellt: In einer Serie von Experimenten lernten neun von elf Staren, die rekursive Grammatik von einer einfacheren zu unterscheiden. Um die grammatischen Regeln für Stare verständlich zu machen, bauten die Wissenschaftler aus Tonaufnahmen von verschiedenen Träller- und Rätschlauten künstliche Stargesänge zusammen.

Einige davon waren nach den Regeln der rekursiven Grammatik aufgebaut: In einen Rätsch-Triller-Grundlaut betteten die Forscher einen zweiten solchen Grundlaut ein, was dann ein Rätsch-Rätsch-Triller-Triller-Geräusch ergab. Andere künstliche Gesänge waren nach einfacheren Regeln aufgebaut, die das Anhängen von Geräuschen nur am Anfang und am Ende einer Lautfolge erlaubten. Die Tiere lernten erfolgreich, beim Abspielen der rekursiven Gesänge auf einen Knopf zu picken. Nachdem sie das Grundmuster erkannt hatten, konnten sie auch neue Gesänge problemlos einordnen. Das schließt die Möglichkeit aus, dass die Vögel die Geräuschabfolgen einfach auswendig gelernt hatten, so die Forscher.

Diese Resultate lassen vermuten, dass einige Tiere die grundsätzliche Fähigkeit zur Erkennung solcher grammatikalischen Muster mit dem Menschen teilen, erklärt Gentner. Wahrscheinlich sei es nicht eine einzige Eigenschaft, durch die sich die detailreiche und komplexe menschliche Sprache von den nichtmenschlichen Kommunikationssystemen unterscheide. Die kognitiven Fähigkeiten verschiedener Arten unterscheiden sich viel eher in ihrer Quantität denn ihrer Qualität, erklären die Forscher.

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Timothy Gentner ( Universität von Kalifornien, San Diego) et al.: Nature, Bd. 440, S. 1204 ddp/wissenschaft.de ? Andrea Boller
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